Auf den Straßen tobt die Laubschlacht

Der massenhafte Einsatz von Gebläsen ist nicht nur wegen des Lärms fragwürdig - ein Bericht aus Sachsen

Dresden. Rot, gelb und braun - farbiges Herbstlaub auf Straßen und in Parks ist für die Stadtverwaltungen in Sachsen in der Regel mehr Last als Freude. Wochenlang und zum Teil noch bis zum Frühjahr haben die Mitarbeiter der Gartenämter und der Stadtreinigung damit zu tun, die anfangs bunte Pracht wieder zu beseitigen. Wie eine dpa-Umfrage ergab, gehen die Kosten dafür in die Hunderttausende. Umweltverbände kritisieren den Einsatz der Laubbläser nicht nur wegen des Lärms.

Auf den Grünanlagen der Stadt Leipzig sind im vergangenen Jahr mehr als 748 Tonnen Laub, auf den Straßen mehr als 2804 Tonnen eingesammelt worden. Durchschnittlich zehn Wochen jährlich sind die Mitarbeiter mit ihren Laubbläsern und Saugern damit beschäftigt, Straßen und Grünanlagen zu säubern. »Das hängt davon ab, ob der Laubfall früh oder spät beginnt, wie lange es fällt und ob die Laubbeseitigung etwa wegen Schneefalls oder Frost unterbrochen werden muss«, heißt es dazu bei der Stadtverwaltung. Das Laub der Grünanlagen werde kompostiert, das von den Straßen als Abfall entsorgt.

Auf den Straßen, Wegen und Plätzen in Dresden fallen jährlich etwa 1200 Tonnen Laub an. Hinzu kommen etwa 800 Tonnen von öffentlichen Park- und Grünanlagen. Mit etwa dieser Menge rechnet die Stadt auch diesmal. Die Kommune kümmert sich um die Blätter auf etwa 40 Prozent der Straßen und zehn Prozent der Gehwege. Für den Rest seien die Grundstückseigentümer verantwortlich, heißt es. Diese könnten das Straßenbaumlaub bis zum 20. Dezember gebührenfrei bei acht Wertstoffhöfen und sieben Annahmestellen für Grünabfall abgeben.

Rund 3700 Stunden sind die städtischen Gärtner in Chemnitz damit beschäftigt, etwa 1000 Tonnen Laub jährlich aus den öffentlichen Grün- und Parkanlagen zu holen, zu entsorgen und zu kompostieren. »Das entspricht der jährlichen Arbeitszeit von 2,5 Gärtnern«, heißt es. Die Kosten dafür werden von der Stadt mit rund 130 000 Euro angegeben.

Zur gleichen Zeit sind auf den Chemnitzer Straßen die 43 Mitarbeiter des städtischen Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetriebs mit acht Großkehrmaschinen, acht Kleinkehrmaschinen, zwei Containerfahrzeugen, einem großen Container-Laubsauger, fünf Klein-Lkw-Laubsaugfahrzeugen sowie acht kleinen Laubblasgeräten im Einsatz. Jährlich werden von den Straßen etwa 2500 Tonnen Laub entsorgt. Das Laub und der Straßenkehricht werden gesiebt und industriell kompostiert.

Rund 27 000 Bäume stehen in den Parks und Gärten der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen. Die 51 Betriebsgärtner räumen von Oktober bis Dezember, im Frühjahr und teilweise auch im Spätsommer das Laub von den Wegen, Plätzen und Rasenflächen. Wie viel, das sei nicht bekannt, hieß es. Auf großen Rasenflächen wie dem Großen Garten in Dresden, den Parkanlagen des Schlosses Pillnitz oder des Barockgartens Großsedlitz werden dazu Laubgebläse an einem Traktor oder am Rasenmäher eingesetzt. Aus Sicht der Umweltschützer ist der technische Aufwand, der getrieben wird, oft zu hoch. Und: »Laubbläser gefährden viele nützliche Tiere und Insekten, verursachen krebserregenden Feinstaub und Klimagase«, sagt der sächsische Landesvorsitzende des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND), Felix Ekardt. »Sie sind ein Beispiel für unnötigen technischen Schnickschnack. Eine Harke reicht.«

Nach Einschätzung des Umweltbundesamts ist der Einsatz dieser auch meist sehr lauten Geräte für Privatpersonen ohnehin meist wenig sinnvoll, Anschaffungs- und Betriebskosten seien hoch. Die meisten Modelle seien zudem wegen der mangelnden Leistung nicht für feuchtes Laub geeignet. Zumeist gibt es auch strenge Regeln für den Einsatz der Laubbläser. In Thüringen etwa dürfen sie in den meisten Kommunen nur werktags zwischen 9 und 13 Uhr sowie 15 und 17 Uhr betrieben werden. dpa/nd

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