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Strandgut ist teuer für Ostseebäder

Küstenorte suchen nach Verwertungsmöglichkeiten - vor allem Seegras kann genutzt werden

  • Von Grit Büttner, Boltenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach Verwertungsmöglichkeiten für massenhaft angespülte Seegräser und Algen an der deutschen Ostseeküste haben Vertreter von Kommunen, Unternehmer und Wissenschaftler bei einem Symposium in der vergangenen Woche in Boltenhagen in Nordwestmecklenburg gesucht. Treibgut an den Stränden stelle die Ferienorte vor große finanzielle und organisatorische Herausforderungen, erklärte eine Sprecherin des Verbandes Mecklenburgischer Ostseebäder. So koste die Strandreinigung jedes Jahr etwa 38 Euro pro Küstenmeter.

Einer Gästebefragung in diesem Sommer in Mecklenburg-Vorpommern zufolge wollen sieben von zehn Touristen kein Treibgut an den Stränden, weil es die Qualität des Urlaubsortes mindere, sagte Leoni Herhaus vom Verein Küsten-Union Deutschland.

Die weltweit vorkommenden Seegräser erfüllen eine wichtige Funktion für die Küsten, wie Hendrik Schubert vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock sagte. Sie stabilisierten Meeresboden und Küste, seien Laichgebiet und Rückzugsraum für Jungfische und somit bedeutsam für den Erhalt der Biodiversität. Allerdings fördere der Klimawandel das Seegraswachstum, das bei zunehmenden Extremwetterlagen und Stürmen vermehrt an die Strände gespült werde.

Versuche für eine Verwertung laufen derzeit auf der Insel Poel bei Wismar. Das eingesammelte Treibgut werde am Strand vorgetrocknet und gesiebt und erst dann in einem Silo gelagert, erklärte Kurdirektor Markus Frick. In einem Pilotprojekt werde eine Biogasanlage statt mit Mais mit Seegras gefüttert. Auch ein Verbrennen der Meerespflanzen zur Energiegewinnung sei in speziellen Öfen machbar.

Eckernförde an der Kieler Bucht macht seit Jahren aus der Not eine Tugend. Aus Seegras wurden Wälle am Strand errichtet und bepflanzt, wie Michael Packschies von der Stadtverwaltung sagte. Daraus entstanden kleinere Deiche, die dem Küstenschutz dienten. Ein Schutzstreifen aus Strandgut sei 2015 an einer Einfallsstraße ins Ostseebad angelegt worden. Packschies plädierte für mehr naturbelassene Strände.

Der Kurdirektor von Eckernförde, Stefan Borgmann, hielt dagegen, dass die Ferienorte einem »Entledigungszwang« fürs Treibgut unterlägen. Touristen erwarteten einen weißen sauberen Strand. Nicht nur Seegräser und Algen müssten maschinell entfernt werden, sondern zugleich auch Müll. Die Kosten für die Strandreinigung in der Stadt bezifferte Borgmann auf 80 000 Euro im Jahr.

In der Vergangenheit gab es im Klützer Winkel im Landkreis Nordwestmecklenburg eine Pilotanlage, die Seegras zu biologischem Dämmstoff und Katzenstreu verarbeitete. Der Testbetrieb im Rahmen eines EU-Projektes erwies sich aber als unwirtschaftlich und wurde 2007 nach zehn Jahren Technologieforschung eingestellt.

Erst in diesem Monat hatte die Ostsee bei einer steifen Nordost-Brise zahlreiche Strandabschnitte überspült und auch wieder viel Seetang und Strandgut angeschwemmt. Danach erklärte Landesumweltminister Till Backhaus (CDU), dass in Mecklenburg-Vorpommern seit 1991 fast 400 Millionen Euro in den Ausbau der Küstenschutzanlagen geflossen seien. Ein Fünftel des Geldes werde in regelmäßige Sandaufspülungen investiert, mit denen an gefährdeten Stellen dem Küstenabtrag entgegenwirkt werde.

Jedes Jahr werden laut Backhaus etwa 500 000 Kubikmeter Sand auf Strände aufgespült. Zudem seien unzählige Buhnen in den Sand gerammt worden. Zu den inzwischen verwirklichten Großprojekten gehöre auch der Bau des Sperrwerks in Greifswald. »Das technisch sehr anspruchsvolle Bauwerk war seit 50 Jahren geplant. Jetzt wurde es verwirklicht und hat nun auch seinen Bewährungsprobe erfolgreich bestanden«, sagte Backhaus. dpa/nd

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