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Bronze als Trostpflaster

Eine alte Verletzung zwingt Tischtennisspieler Timo Boll im Halbfinale der EM zur Aufgabe

  • Von Peter Hübner, Budapest
  • Lesedauer: 3 Min.

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Für Ausnahmekönner Timo Boll ist die Tischtennis-Europameisterschaft abrupt und mit Schmerzen zu Ende gegangen. Der 16-malige Rekordchampion, der nicht in Bestform nach Budapest gereist war und sich trotzdem bis ins Halbfinale gekämpft hatte, musste die Partie gegen den Franzosen Simon Gauzy am Sonntag beim Stand von 1:2-Sätzen wegen einer Verletzung aufgeben. Als kleines Trostpflaster erhielt er bei der Siegerehrung die Bronzeplakette.

»Im zweiten Satz ist die alte Nacken-Geschichte von Olympia wieder aufgebrochen. Es ist bitter, aber ich wollte kein Risiko eingehen«, erläuterte Boll seine Entscheidung, die die Fans in der Tüskecsarnok-Halle völlig überraschte. Der 35 Jahre alte Düsseldorfer hatte sich kurz mit Bundestrainer Jörg Roßkopf an der Box beraten. »Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung war. Die WM im Mai 2017 in Düsseldorf spielt da auch eine Rolle. Nochmals sechs Wochen Pause kann ich mir nicht erlauben«, erklärte der deutsche Rekordmeister.

Bereits bei den Olympischen Spielen in Rio hatte sich der deutsche Fahnenträger die schmerzhafte Nacken-Verletzung mit rausgesprungenem Wirbel zugezogen. Er legte danach eine Auszeit ein, trainierte sehr wenig, trat aber dennoch bei der EM an. Am Samstag kämpfte er sich mit guter Moral, Erfahrung und Spielübersicht in zwei Zitterpartien zum neunten Mal in das Halbfinale, wo ihn das unerwartete Aus ereilte.

Auch Roßkopf wollte eine längere Zwangspause seines Topstars nicht riskieren. Boll ist trotz seiner dann 36 Jahre fest für die WM eingeplant. »Timo war nicht gut vorbereitet, hat aber dennoch entspannt eine gute EM gespielt. Andere denken in seinem Alter an die Zeit nach dem Sport. Er macht sich Gedanken, wie er sich noch verbessern kann«, lobte der Bundestrainer seinen Schützling.

Durch Bolls Aufgabe endete auch die stolze Serie des Deutschen Tischtennisverbandes DTTB, der seit 2010 fünfmal in Serie den Europameister gestellt hatte. Den Nachfolger des früh gescheiterten Titelverteidigers Dimitrij Owtscharow spielten am Abend (n. Red.) die Franzosen Gauzy und Emmanuel Lebesson unter sich aus.

Owtscharow litt ähnlich wie die deutschen Frauen im Einzel unter den Olympia-Nachwirkungen. »Dima hat viele Baustellen, eine Pause wäre für ihn gut. Wichtig ist, dass er sich vom 1. Januar an voll auf die WM konzentriert«, sagte Roßkopf.

Trotz der mageren Einzelbilanz sprangen bei dem Turnier vier Medaillen heraus. In den Doppel-Endspielen war der DTTB gleich dreimal vertreten. »Das war eine anständige EM, auch wenn wir uns wünschen, in allen Wettbewerben Medaillen zu gewinnen«, bilanzierte Sportdirektor Richard Prause. Wie Frauenbundestrainerin Jie Schöpp kritisierte er die Nähe zwischen Olympia und EM. »Wir müssen den Wettkampfkalender entzerren«, sagte Prause. dpa/nd

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