Werbung

Höllenhund

Wohin man auch guckt, überall in Deutschland wird hemmungslos gehasst. So auch im Berliner Straßenverkehr.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sie kommt einem vor wie der Höllenhund, der soeben von der Kette gelassen wurde, die zunehmende Hemmungslosigkeit, mit der in Deutschland wieder öffentlich gehasst wird. Gehasst werden darf, ohne dass einer mal Stopp drückt. Carolin Emcke bekam am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für ihren Essay »Gegen den Hass«. Emcke schreibt darin vor allem über Fremdenhass. Clausnitz, Heidenau, Bautzen, es ginge lange so weiter.

Das ist die eine beschissene Seite des Hasses, der wohl zum Naturzustand gehört, die andere ist diese passiv aggressive Wut, mit der inzwischen jeder ungeniert hausieren geht. Kulminationspunkt des Ganzen war und ist schon immer der Straßenverkehr. Was früher tadelnden Rentnern überlassen war (Fahrradfahrer auf dem Gehweg vom Fahrrad zerren), greift nun auch auf die einst so beherrscht lebenden Frauen über. Da wird auf dem Radweg hemmungslos in den Arm geboxt, wenn einer von der Seite den Weg kreuzt oder auch mal abgestiegen und rumgepöbelt, obwohl eigentlich nichts passiert ist.

So wie letztlich, als eine sehr sympathisch aussehende Frau, Ende 40, auf ihrem Fahrrad die Straße entlang gefahren kommt und man selbst erst kurz vor ihr stehen bleibt, weil man sie zu spät gesehen hat. »So was wie Sie läuft sonst immer einfach weiter«, schreit sie einem rückwärtsgewandt noch zu.

In einem kurzen Satz das ganze Elend: »So was wie Sie« und »sonst immer«. Es entlädt sich also zweierlei: Der seit Jahren kultivierte Hass der Generationen und die Überraschung, dass die Abneigung gegen die Welt, wie man sie kennt, nicht in jedem Fall funktioniert. Endlos aus der Fassung war die Frau dann nach der, zugegeben snobistischen Frage, warum sie denn so aggressiv drauf sei. »Schaffen Sie sich erst mal Kinder an«, war die Antwort.

Liebe mittelalte Berlinerin auf der Erich-Weinert-Straße, wir müssen reden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!