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Ein Tänzer rüttelt Uganda auf

Jonas Byaruhanga nutzt seinen Bekanntheitsgrad, um auf soziale Probleme aufmerksam zu machen

  • Von Anne Gonschorek, Kapstadt
  • Lesedauer: 3 Min.

»Nur im Tanze weiß ich der höchsten Dinge Gleichnis zu reden«, schrieb schon Friedrich Nietzsche in »Also sprach Zarathustra«. Jeder, der schon einmal im Ballett oder einer anderen Tanzveranstaltung gewesen ist, kann dieses Gefühl bestätigen: Tanz hat das Potenzial, Informationen zu vermitteln, die sich mit Worten nur schwer erfassen lassen. »Tanz ist in allem, das lebt«, sagt der ugandische Choreograf Jonas Byaruhanga in einem Dokumentarbericht über sein Lebenswerk. »Wenn du dich bewegst, tanzt du. Wenn du läufst, tanzt du. In fast allem, das du tust, ist Tanz in dir.«

Das Feuer für diese Kunstform wurde schon in seiner Kindheit entfacht: »In meinem Dorf haben wir immer viel getanzt«, erzählt er gegenüber CNNAfrica. »Es gibt viele Anlässe, zu denen die Menschen daheim tanzen und ich habe immer mitgemacht.« Nachdem er den Tanz entdeckt hatte, begann Byaruhanga, seine Kunst zu vervollkommnen. »Wenn ich sage, dass ich ein zeitgenössischer Tänzer bin, dann meine ich, dass ich zwar von meinen Wurzeln im afrikanischen Tanz beeinflusst bin, mich aber auch unterschiedlicher Tanztechniken und meiner Bildung bediene, um etwas Neues zu formen, das ganz meins ist«, erklärt er. Es ist diese Einzigartigkeit seines Stils, die ihn um die ganze Welt reisen ließ und ihm internationales Renommee verschafft hat. »Ich kann zwar mein Bein nicht so hoch heben wie eine Ballerina, aber ich kann mit meinen Füßen stampfen wie ein afrikanischer Tänzer«, sagt er stolz.

Als er im Jahr 2004 sein Tanzensemble Keiga in Kampala gründete, ging es Byaruhanga darum, professionellen Tanz und Choreografie nach Uganda zu bringen. Inzwischen gehört es zu den führenden Tanzgruppen Ostafrikas. »Es ist ein sehr kleines Ensemble, aber hier passiert viel Magie«, sagt er. Keiga erzählen mit ihrem Tanz Geschichten und machen dabei auch vor sozialen und politischen Tabuthemen keinen Halt. »Was mich am meisten am Tanz inspiriert sind Ideen, die mit unserem alltäglichen Leben zu tun haben«, erklärt er. »Ich habe das Gefühl, dass ich für etwas Bestimmtes tanzen sollte.« Deshalb kommen in seinen Stücken auch Themen wie HIV, weibliche Genitalverstümmlung und Homophobie vor.

Während das Auge durch die Ästhetik und die überladende Energie der Tänzer geleitet wird, verschmelzen Körper miteinander, werden zu Symbolen und Archetypen, die Gewalt, Krankheit und Schmerz ausdrücken, nur um sich dann wieder aufzulösen und zurück in Personen zu verwandeln. Zeitgenössische Bewegungen werden von traditionellen Elementen ostafrikanischer Kulturen unterbrochen. Gesänge und rituelle Wortformeln wie auch Gedichte verweben sich mit atmosphärischer Musik, die Menschen auf der ganzen Welt in ihren Bann ziehen.

Allerdings machen die thematischen Tabubrüche die Auftritte des Ensembles nicht immer einfach. Aus Bedenken um ihre Sicherheit konnte etwa das Stück »Orientation«, das sich mit Homosexualität auseinandersetzt, nur in Europa gespielt werden, denn in Uganda ist Homosexualität illegal. Aber auch sonst ist es selbst für jemanden wie Byaruhanga nicht einfach, hier als Tänzer zu leben. Immer wieder kommt dieser interne Kampf auch in seinen Stücken vor. »Wann hörst du auf zu tanzen und besorgst dir einen richtigen Job?«, zitiert er seine Eltern in einem Gedicht auf der Bühne. In guten Momenten ist ihm sein Weg jedoch ganz klar: »Du musst Kunst der Kunst wegen machen und auch das Geschäftliche der Kunst wegen machen«, sinniert er. Deshalb lässt er sich auch nicht vom Träumen abhalten: »Afrika hat viel Talent und meine Hoffnung ist, dass Menschen von überall auf der Welt für diese Kunstart nach Afrika kommen werden.«

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