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Neubau? Fast nur noch ohne Kind

Studie: Jeder fünfte Sachse ist selbst mit einer Miete von 4,70 Euro bereits überfordert

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

In Dresden wird gebaut ohne Ende. Auf nahezu jeder verbliebenen Brachfläche entstehen neue Wohnhäuser. Bauherren reagieren damit auf das anhaltende Bevölkerungswachstum in der sächsischen Landeshauptstadt. Allerdings sind die modernen Wohnungen für viele unerschwinglich. Unter anderem wegen teurer energetischer Anforderungen werden in Neubauten selten weniger als zehn Euro Miete je Quadratmeter fällig. Die meisten Rentner, aber auch Alleinerziehende und selbst Familien mit niedrigem Einkommen sind von solchen Beträgen finanziell überfordert. »Neubau«, sagt Sven Winkler vom Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG), »geht fast nur noch ohne Kind.«

Der brisante Satz ist eine Essenz einer vom Verband angefertigten Studie zur Bezahlbarkeit des Wohnens in Sachsen. Welche Miete, so lautete deren Kernfrage, ist für unterschiedliche Gruppen der Bevölkerung noch tragbar? Den Verband interessiert unter anderem, ob künftige Investitionen etwa in altersgerechten Umbau oder in eine energetische Sanierung für die Mieter zumutbar sind. Das Ergebnis ist ernüchternd. »Bei 6,50 Euro ist für die meisten Schluss«, sagt VSWG-Vorstand Axel Viehweger. Und: Große Teile der Bevölkerung sind schon mit solchen Mieten überfordert.

Vor allem für Rentner und Alleinstehende wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Einer Modellrechnung im Rahmen der Studie zufolge kann sich ein alleinstehender Rentner höchstens eine Kaltmiete von 3,60 Euro je Quadratmeter leisten. »Das wird selbst in Städten wie Weißwasser schwierig«, sagt Viehweger - in mittelgroßen Orten also, in denen wegen starker Abwanderung und höherer Leerstände das Mietniveau eher niedrig ist. Winkler merkt zudem an, dass für die Rechnung ein durchschnittlicher Rentenbetrag von 1082 Euro angesetzt wurde: »Es gibt aber auch Menschen, die über noch weniger Geld verfügen.«

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass jeder fünfte Sachse selbst mit einer Miete von 4,70 Euro überfordert ist - dieser Wert entspricht dem Durchschnitt in Sachsens Wohnungsgenossenschaften. Zu dieser Gruppe gehören neben alleinstehenden Rentnern vor allem Alleinstehende mit Kind. Eine zweite Gruppe, die 25 Prozent der Sachsen umfasst, kann zwischen 4,70 Euro und gut sieben Euro aufbringen. Etwa so hoch liegt die Untergrenze bei Vermietern, die - anders als die Genossenschaften - auf Rendite setzen.

Diese Mieter werden in der neuen Studie als »versteckte Verlierer« bezeichnet, weil ihnen künftig Schwierigkeiten drohen: »Die Miete auch nach Modernisierung oder altersgerechtem Umbau zu finanzieren«, sagt VSWG-Vorstand Viehweger, »wird für sie schwierig.«

Der Verband leitet aus der Studie eine Reihe von Forderungen ab. So müsse es ein »Moratorium« bei der Verschärfung energetischer Anforderungen geben, weil diese die Preise für den Neubau in die Höhe treiben. Auch die öffentliche Verwaltung solle kostspielige Forderungen an Bauherren zurückstellen, zum Beispiel für Stellplätze. Das Wohngeld müsse erhöht werden, und der Satz, den Kommunen als Kosten der Unterkunft für Hartz-IV-Empfänger übernehmen, müsse mindestens 4,50 Euro betragen. Derzeit, sagt Viehweger, setzten manche Landkreise weniger als vier Euro an: »Der barrierearme Umbau einer Wohnung ist da utopisch.«

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