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Mit der Diagnose Parkinson nicht allein

Brandenburgische Initiative unterstützt die von einem heimtückischen Leiden betroffenen Menschen

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Muhammad Ali litt daran, auch Udo Lattek - ihr Schicksal teilen heute der Schauspieler Ottfried Fischer aber auch rund 30 000 Brandenburger: Die neurologische Krankheit Parkinson ist unheilbar und kann doch inzwischen gut behandelt werden. Zur Unterstützung der Parkinson-Hilfe haben gestern unter anderem Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und das Model Franziska Knuppe aufgerufen. Nach den Beweggründen für ihr Engagement gefragt, erklärte Knuppe: »Wenn man so viel von der Öffentlichkeit bekommt, ist es richtig, dass man auch etwas zurückgibt.«

»Bin ich der nächste?« heißt es auf Plakaten, mit denen die Parkinson-Hilfe darauf aufmerksam macht, dass es um die zweithäufigste neurologische Krankheit nach Demenz (Alzheimer) geht. Der Unternehmer Stephan Goericke - sein Vater leidet selbst an dieser Krankheit - hat 2010 die Parkinson-Hilfe ins Leben gerufen und unter anderem bei einer jährlichen Gala insgesamt 500 000 Euro zur Unterstützung der Betroffenen gesammelt.

»Der ist doch selber schuld mit seinem Zittern«, »Tattergreis«, »Hat der Drogen genommen?« - laut Goericke sei es inzwischen gelungen, verschiedene Vorurteile gegenüber den Parkinson-Patienten zurückzudrängen. Man wissen nicht genau, ob in Deutschland 300 000 oder 400 000 Menschen betroffen sind, weil die »Diagnosedichte so unterschiedlich« sei. Mit den Spendenerlösen will seine Stiftung unkompliziert helfen. Er schilderte den Fall einer Frau, die kein Geld für eine Fahrt nach Beelitz-Heilstätten hatte, wo sich mit dem Neurologischen Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen ein europaweit bekanntes Behandlungszentrum für diese Art Krankheiten befindet. Sie bekam das Geld, wie auch der Parkinson-Kranke, der sich von seiner Ehefrau zur Kur begleiten lassen wollte. Heute sterbe man nicht mehr an Parkinson, allerdings wachse der Anteil jüngerer Menschen, bei denen die Krankheit diagnostiziert werde, sagte Goericke. So sei sie bei »Spiegel«-Redakteur Stefan Berg festgestellt worden, als dieser 44 Jahre alt war. Berg hatte seinen Umgang mit der Krankheit in dem preisgekrönten Buch »Zitterpartie« geschildert.

Mit einem Brief der Boxlegende Muhammad Ali an die Initiatoren hatte 2010 die erfolgreiche Arbeit der Parkinson-Hilfe begonnen. Bezogen auf den Initiator Goericke sagte Matthias Platzeck, es sei immer wichtig, »dass es einen gibt, der die Fahne schwingt«. Mit der schlimmen Krankheit könne man inzwischen leben und dennoch Lebensqualität erleben. So fänden auch die Akteure des Aufrufs selbst mit ihrem Engagement Freude und Bestätigung.

Am 5. November findet in der Potsdamer Metropolis-Halle die siebente »Tulip«-Parkinson-Gala statt, bei der Prominente und Geldspender zur Hilfe aufrufen werden. Die Tulpe (Tulip) ist weltweit das Symbol für Parkinson-Engagement. Neben den Genannten werden der Olympiasieger Peter Frenkel (Gehen), die Schauspieler Herbert Köfer und Anja Kling, Ex-Turbine-Trainer Bernd Schröder und Gustav-Adlof (Täve) Schur dabei sein. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 45 000 Euro für die Parkinson-Hilfe. Goericke erklärte, eine solche Gala sei eine gute Möglichkeit, Öffentlichkeit herzustellen und den Betroffenen zu signalisieren: Ihr seid nicht allein. Zudem seien die Einnahmen nicht zu verachten. »Die besten Köche, die die besten Sportler, die besten Unternehmer, die besten Köpfe in unserem Land engagieren sich für unheilbar erkrankte Menschen. Ein wichtiges Zeichen der Mitmenschlichkeit in diesen Zeiten.«

2017 soll mit den Erlösen ein Projekt der AOK unterstützt werden. Für die AOK Nordost sagte Marina Otte, man plane ein neues Telemedizin-Projekt zugunsten der 20 000 bei der AOK in Brandenburg versicherten Parkinson-Kranken. Die Patienten erhielten einen Tablet-PC und würden in dessen Gebrauch unterwiesen.

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