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Weniger Geld für Sachsens Bibliotheken

Anschaffung digitaler Medien wird oftmals teuer

Dresden. Schmökern in öffentlichen Bibliothek ist in Sachsen weiter sehr beliebt. Doch immer mehr Bibliotheken leiden laut Sächsischem Bibliotheksverband unter dem Sparkurs der Kommunen. Etwa jede vierte sei von Einsparungen betroffen oder davon bedroht, sagt Geschäftsführer Arend Flemming in Dresden. »Um jede Mitarbeiterstelle muss hart gerungen werden.« Zwar sei das dichte Netz öffentlicher Bibliotheken in Sachsen bundesweit nahezu einzigartig. »Es muss aber auch angemessen unterhalten werden«, mahnt Flemming, der auch Chef der Städtischen Bibliotheken Dresden ist. Nur etwa 1,6 Prozent der Bibliotheken hätten wachsende Etats.

»Die Bibliothek steht auf der Prioritätenliste der Kommunen weit oben«, sagt der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetags, Mischa Woitscheck. Die finanziellen Spielräume für solche Aufgaben seien aber kleiner geworden. Laut Wissenschaftsministerium werden die Bibliotheken von Land, Landkreisen und Städten mit jährlich rund 27 Millionen Euro unterstützt.

Laut Statistischem Landesamt gab es 2015 in Sachsen 462 öffentliche Bibliotheken - 181 hauptamtlich, 281 in kleineren Gemeinden und Ortsteilen ehrenamtlich geführt - mit rund 370 000 Nutzern. Das sind etwa 5000 Leser weniger als 2013. Flemming zufolge gingen vor allem auf dem Land ältere Nutzer verloren. Mit Fahrbibliotheken in Borna, Bautzen, Dresden, Leipzig, Chemnitz sowie den Kreisen Görlitz, Leipziger Land und Mittelsachsen versuchen die Bibliotheken den Trend zu stoppen. Flemming hofft auf die neue Generation. »Es gibt wieder mehr Kinder - und damit auch wieder mehr Nutzer«.

Bibliothekshauptstadt ist Dresden mit mehr als 74 000 Nutzern, gefolgt von Leipzig mit 47 000. Die insgesamt rund acht Millionen Medien, Bücher, Videos oder CDs in den Bibliotheken wurden 2015 fast 22,4 Millionen Mal ausgeliehen. Dabei werden immer öfter Bücher oder Zeitschriften über das Internet entliehen. Die Dresdner Bibliothek etwa hat mittlerweile mehr virtuelle als reale Besucher. Der Haken dabei: Für die digitalen Medien muss jede Bibliothek Lizenzen erwerben. Gibt es dafür keine zusätzlichen Mittel, geht das laut Flemming oft zu Lasten der Bestände im Bücherregal.

Über mehr Geld für Neuanschaffungen können sich die Leipziger Städtischen Bibliotheken freuen. »Unser Beschaffungsetat ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und wird 2017 erstmalig die Millionengrenze überschreiten«, sagt Bibliothekssprecherin Heike Scholl. In den vergangenen vier Jahren habe es zehn Prozent mehr Besucher und mehr als 20 Prozent mehr Entleihungen gegeben. Die Nutzung über das Internet habe gar um 68 Prozent zugelegt. Die Bibliothek wurde dieser Tage mit dem mit 4000 Euro dotierten Sächsischen Bibliothekspreis ausgezeichnet.

Mit dem Preis werden auch die interkulturellen Bemühungen der Bibliothek honoriert. Migranten bekommen Hilfe beim Deutsch lernen. »Etliche Flüchtlinge nutzen unsere Sprachlernmedien und Sprachlern-Computer, lesen online Tageszeitungen und Zeitschriften in ihrer Sprache oder treffen sich zu Lerngruppen«, berichtet Scholl.

2200 Besucher kommen jährlich zur Stadtbibliothek Chemnitz. Das sei eine Steigerung von fast drei Prozent, heißt es. Mit Lieferdienst, einem Bildschirmlesegerät und Sprechstunden zu elektronischen Medien sollen die Senioren gehalten werden. Für Jugendliche gibt es neu möblierte und mit Technik ausgestattete Aufenthalts- und Freizeitzonen, Veranstaltungen, Medienkoffer sowie 20 Tablets für Schulklassen. dpa/nd

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