Klose kehrt als Praktikant zurück

Der Rekordstürmer macht künftig im Trainerstab der deutschen Fußballnationalmannschaft mit

  • Von Arne Richter und Miriam Schmidt, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.

Miroslav Klose wird Lehrling und Lehrmeister zugleich: 28 Monate nach dem WM-Triumph von Rio de Janeiro hat der deutsche Rekordtorschütze seine Karriere als Spieler beendet und kehrt als Praktikant zur Fußballnationalmannschaft zurück.

Im Stab von Chefcoach Joachim Löw soll der 38-Jährige schon bei den Länderspielen in San Marino am 11. November und vier Tage später in seiner alten Wahlheimat Italien erste Erfahrungen für eine Trainerkarriere sammeln und seinen jungen Nachfolgern das Toreschießen beibringen. »In der Nationalmannschaft habe ich meine größten Erfolge gefeiert, diese Zeit war wunderschön und bleibt unvergessen. Daher kehre ich gerne zum DFB zurück«, sagte Klose am Dienstag.

Die Azubistelle für den »ewigen Miro« ergibt Sinn. Zuletzt wurde ein Torjäger seines Format schmerzlich vermisst und die Stürmerflaute zum Krisenthema bei der EM in diesem Sommer in Frankreich. »Der Schnitt liegt jetzt bei sieben oder acht Torchancen, die wir brauchen«, hatte Löw schon nach der mühevollen Qualifikation bemängelt.

Nun kann Rekordmann Klose nach 71 Toren für Deutschland in 137 Länderspielen seine Erfahrungen auch als Trainerlehrling gleich auf höchstem Level wieder einbringen. »Ich bin sicher, dass wir Trainer genauso wie die Spieler sehr von seiner Anwesenheit und Mitwirkung profitieren werden«, sagte Löw. »Er wird nicht nur mit uns gemeinsam auf dem Trainingsplatz stehen, sondern beispielsweise seine Sicht auch in der Gegnervorbereitung, der Spiel- und Videoanalyse einbringen. Wir freuen uns auf Miro.«

Klose hatte seine außergewöhnliche Karriere für ihn typisch leise ausklingen lassen. Mit einem Monat Bedenkzeit trat er im August 2014 aus dem DFB-Team zurück. In Italien, bei Lazio Rom, spielte er noch bis zu diesem Sommer, ohne danach seine Karriere sofort zu beenden. Klose war immer ein stiller Vertreter in einem aufgeregten Geschäft.

Seine Laufbahn startete er bei der SG Blaubach-Diedelkopf in der Pfalz. Mit seinen Eltern war er als Aussiedler aus Polen dorthin gekommen. Der Sprung in den Profifußball gelang erst mit 22 Jahren - dann aber ging die Karrierekurve mit den Stationen 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen, Bayern München in der Bundesliga steil nach oben. Im Nationalteam schoss er die ersten fünf Tore bei der WM 2002 in Japan und Südkorea. Insgesamt traf er bei vier WM-Turnieren, den Rekordtreffer Nr. 16 erzielte er beim legendären 7:1 im Halbfinale 2014 gegen Brasilien.

Klose werde »ein individuelles Ausbildungs- und Traineeprogramm absolvieren mit dem klaren Ziel, die Trainerlaufbahn einzuschlagen«, teilte der DFB mit. Die notwendige A-Lizenz soll »Grande Miro« parallel zu Einsätzen bei Nationalmannschaft und Juniorenteams erwerben. »Mit der Nationalmannschaft identifizieren sich Spieler ganz besonders, sie ist so etwas wie eine Heimat, ein zweites Zuhause mit einem familiären Umfeld«, sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der mit Klose zusammen im DFB-Team spielte. dpa/nd

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