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Armuts-Porno mit Heinz

SPD-Politiker Buschkowsky verdingt sich als als »Berater« bei einer Sendung über Hartz IV-Familien

Heinz Buschkowksy gefällt sich offenbar in seiner Rolle als mediale Rampensau, die »Klartext« redet. Im kommenden Jahr will der SPD-Politiker und ehemalige Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln als »Experte« in einer RTL-Doku-Show über Hartz IV-Bezieher auftreten. In der Sendung sollen Familien, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, 25 000 Euro auf einen Schlag bekommen und versuchen, einen Weg aus der staatlichen Unterstützung zu finden. Buschkowsky will die betroffenen Familien dabei beraten. »Zahltag - Ein Koffer voller Chancen« ist der Name des traurigen Spektakels, die Idee basiert auf dem britischen Format »Great British Benefits Handout«.

Buschkowsky beeilte sich, zu versichern, dass niemand in der Sendung »vorgeführt« oder »verheizt« werden solle. Es gehe ihm viel mehr um den Beweis, dass »aus der Gesellschaft ausgegliederte Menschen einen Weg in dauerhafte Beschäftigung finden könnten«. Nach welchem diskriminierenden Schema diese Sendungen tatsächlich funktionieren, hat die Soziologin Britta Steinwachs u.a. am Beispiel der RTL-Sendung »Familien im Brennpunkt« deutlich gemacht. Die Erzählung der Ausstrahlungen laufe, so Steinwachs in einem Interview mit den »Nachdenkseiten« immer wieder auf das Gleiche hinaus: Die »Unterschicht« habe durch ihr falsches Verhalten ihr Recht auf gesellschaftliche Teilhabe verwirkt, da sie nicht bereit sei, sich den geltenden Regeln und Werten unterzuordnen. Soziale Ungleichheit erscheine so als gerecht und selbstverschuldet. Stereotypisch werden zu Beginn Unterschicht-Charaktere als verroht und abgehängt porträtiert. Erst eine Ermahnung, Beratung oder Bestrafung von Behörden oder »Experten« kann die »Verlierer« wieder auf die Bahn bringen. Die Anpassung an bürgerliche Werte sei dann der angebliche Schlüssel zum Erfolg. Die medialen Figuren verkörpern die diskriminierende Vorstellung, dass ohne Gegenleistung ganz bewusst die soziale Fürsorge der Allgemeinheit ausgenutzt werde. Die Angst vor gesellschaftlicher Ächtung wird geschürt, die Leistungsgesellschaft aufrecht erhalten.

Einige Indizien lassen darauf schließen, dass auch die neueste RTL-Produktion sich dieser Erzählung anschließen wird. In Großbritannien gilt die Reihe als neuestes Beispiel von »Poverty Porn«, Armutsporno. In sozialen Netzwerken wird jeweils heiß diskutiert, wofür die teilnehmenden Familien das hinzugewonnene Geld ausgeben haben. War es wirklich notwendig, ein Festessen mit Freunden zu organisieren, wenn man sich auch in einem Programmierkurs hätte einschreiben können? Soll es das Spielzeug für das Kind sein oder doch lieber die Sprachschule? Die Teilnehmenden müssen sich nicht nur dankbar zeigen für die überschaubare Einmalzahlung, sondern diese auch in beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg umwandeln. Wenn sie es schaffen sollten, wäre dies der vermeintliche neoliberale Beweis, dass das Sozialsystem sie »zurückgehalten« hat. Wenn sie scheitern, wäre es der Beleg, dass sie aufgrund persönlicher Schwächen nicht in der Lage sind, erfolgreich zu sein. Diskriminierung bei Bildungsmöglichkeiten oder auf dem Arbeitsmarkt existieren in dieser sozialdarwinistischen Erzählung nicht.

Es ist keine Überraschung, dass Buschkowksy an diesem »TV-Sozialexperiment« (RTL) teilnimmt. Immer schon gehörte für den SPD-Politiker die Abneigung gegenüber der Unterschicht untrennbar zu einer Stigmatisierung von Migranten. Während eines Interviews mit dem »Tagesspiegel« 2009 zu einer möglichen Erhöhung des Kinderbetreuungsgeldes brachte der Politiker seine Weltsicht auf den Punkt: »In der deutschen Unterschicht wird das versoffen und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt.« Die Armut werde damit »konserviert«, »Prämien« würden eine »Integration« und einen »Ausstieg aus dem Milieu« verhindern. Der Politiker hat vermutlich keinen geringen Anteil daran, dass der südliche Berliner Stadtteil nach wie vor in der (medialen) Öffentlichkeit Angst und Ablehnung hervorruft. Neukölln sei ein Symbol für Terrorgefahr, Kriminalität, Integrationsverweigerung und Faulheit, schrieb der Sozialwissenschaftler Sebastian Friedrich.

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