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Syrische Kurden verkünden Rakka-Offensive

Großangriff auf inoffizielle Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat beginnt

  • Von Benno Schwinghammer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Al-Rakka. Als IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi vor wenigen Tagen zu seinen Gefolgsleuten sprach, hatte er nicht viel mehr zu bieten als Durchhalteparolen. Die Offensive auf seine Hochburg Mossul schnürt die Dschihadisten schon seit Mitte Oktober immer weiter ein. »Macht ihre Tage zu dunklen Nächten«, wollte Bagdadi seine Kämpfer mit seinem Sermon motivieren. Selbstmordattentäter sollten sich »dem Feind stellen und ihr Blut in Flüsse verwandeln«.

Nach Mossul haben nun die kurdischen Kämpfer in Syrien eine nicht minder wichtige Operation angekündigt: den Sturm auf Al-Rakka, die inoffizielle Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in dem Bürgerkriegsland, die am Fluss Euphrat liegt. Sie ist auch Sitz eines großen Teils der Verwaltung der Dschihadisten. Auch wenn Bagdadi seinen Anhängern »dieser Krieg ist euer Krieg« entgegengerufen hatte: Spätestens jetzt beginnt der militärische Überlebenskampf der Terrormiliz.

»Wut des Euphrats« hat das kurdisch dominierte Bündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) die Offensive genannt, mit der sie dem IS in Syrien weitgehend der Garaus machen wollen. »Wir versichern allen demokratischen Kräften in der Welt, den Menschen der Region, unseren großartigen Syrern und den Leuten in Al-Rakka, dass die Operation ‘Wut des Euphrats’ standhaft vorrücken wird, bis es ihr Ziel erreicht: die Hauptstadt des weltweiten Terrorismus zu isolieren und zu besiegen«, sagte eine SDF-Kommandeurin am Sonntag bei der Pressekonferenz im Norden Syriens.

Unterstützt werden die SDF, zu denen neben den mächtigen kurdischen Volksschutzeinheiten auch turkmenische, arabische und assyrische Gruppen zählen, von einem US-geführten Militärbündnis mit Angriffen aus der Luft. Die USA unterstützen die Kurden, die als schlagkräftigste Gegner des IS in Syrien gelten, schon seit zwei Jahren - als die Milizionäre die Terroristen in der syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane zurückschlugen. US-Militärangaben zufolge soll Al-Rakka zunächst von 30.000 bis 40.000 Kämpfern am Boden isoliert und schließlich eingenommen werden.

Auf viel anderes als die Kämpfer des SDF, unter denen auch viele geflohene aus Al-Rakka sein sollen, können die USA auf syrischem Boden auch nicht zurückgreifen. Denn anders als im Irak kann der Westen nicht mit der nationalen Armee kooperieren. Die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kämpfen zwar auch gegen die Dschihadisten, aber eben auch gegen US-unterstützte Rebellengruppen unter anderem in Aleppo.

Diese fehlende Struktur einer Armee - auch wenn Iraks Streitkräfte nicht den besten Ruf haben - könnte den Vormarsch gen Al-Rakka schwieriger machen als den im Irak. Dort rücken die Kämpfer des Anti-IS-Bündnisses stetig vor und haben bereits Teile der Stadt befreit. Die Terroristen beschränken sich darauf, den Vormarsch mit Selbstmordattentätern und Scharfschützen zur verlangsamen. Dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Kampf um Mossul verloren ist, wissen vermutlich auch viele IS-Mitglieder.

Dass der Islamische Staat selbst mit dem militärischen Sieg in Mossul und Al-Rakka, auch mit der Eroberung des gesamten IS-Gebietes, noch lange nicht politisch geschlagen wäre, ist ebenso eindeutig. »Am Ende können wir nicht perfekt vorhersehen, was passieren wird, wenn unsere Koalition den IS im Irak und Syrien besiegt hat«, sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter Ende Oktober. »Deshalb müssen wir auf alles vorbereitet sein.«

Diese Aussage könnte auch als mit Blick auf den NATO-Verbündeten Türkei interpretiert werden. Denn Ankara ist das Vorrücken der Kurden in Syrien ein Dorn im Auge. Die türkische Armee geht in Nordsyrien sowohl gegen den IS als auch gegen die YPG vor. Bei der YPG handelt es sich um den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Vor nicht einmal zwei Wochen hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan noch gesagt, seine Truppen in Nordsyrien würden bis nach Al-Rakka vorstoßen. Und so hängt nun viel an der Reaktion Ankaras auf die Offensive, die dem IS zwar eine entscheidende Niederlage beibringen könnte - aber gleichzeitig schon den Keim eines neuen Konflikts in sich trägt. dpa/nd

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