Umkämpftes Obdachlosenasyl

Eigentümer wollen Unterkunft Berlichingenstraße 12 räumen - auch der Bezirk wehrt sich

Reinhard Kilian wohnt seit 2001 in der Berlichingenstraße in Moabit. Er setzt sich dafür ein, dass das weiterhin so bleibt, denn der Kiez ist seine Heimat. Das Haus in der Berlichingenstraße 12 ist eine Unterkunft für obdachlose Männer. Ihre Bewohner wehren sich dagegen, das Haus zu räumen. Deshalb haben die Eigentümer gegen sie Klage eingereicht.

Gemeinsam mit dem Runden Tisch zur Unterstützung der Bewohner versucht der neue Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne), das Haus für Wohnungslose zu erhalten. »Wir haben nichts unversucht gelassen, eine Lösung für den Konflikt zu finden«, sagte von Dassel am Montag. Die Eigentümer des Objektes seien aber zu einem Gespräch nicht bereit.

Die privaten Eigentümer hatten Ende 2015 der Betreiberfirma des Wohnheims »Gästehaus Moabit« gekündigt. Als die Bewohner das Heim im März nicht wie gefordert verließen, reichten die Eigentümer gegen sie und auch gegen den Betreiber Klage ein. Das Gerichtsverfahren läuft zur Zeit noch.

Vermietet wurde das Gebäude an den Hostelbetreiber Gikon, der Geflüchtete darin unterbringen will. Gikon hatte den Eigentümern mehr als das Doppelte der vorigen Miete versprochen, da er pro Zimmer nicht mehr nur eine, sondern drei Personen unterbringen wolle, sagte Steve Rauhut vom Unterstützerkreis.

Wenn die Bewohner rausgeworfen würden, dann könne man nichts mehr für sie tun, erklärte der Bezirksbürgermeister. Aber das versuche man zu verhindern. »Es soll eine Einrichtung für wohnungslose Menschen bleiben«, so von Dassel. Von den 32 Männern, die dort zuvor jahrelang lebten, wohnen nur noch 19 in dem Haus. Der Druck ist hoch.

Die Situation in der Berlichingenstraße in Moabit ist kein Einzelfall. Den 105 Bewohnern eines anderen Heimes wurde ebenfalls gekündigt. Dort wohnten wie in der B 12 bisher Wohnungslose, manche von ihnen, darunter auch Familien, ebenfalls schon seit Jahren. Jetzt sollen dort aber Lofts entstehen.

»Es ist hoffnungslos in dieser Jahreszeit 105 Menschen woanders unterbringen zu wollen«, sagte von Dassel. Jetzt werde überlegt, das Gebäude zu beschlagnahmen. Alles sei dazu schon vorbereitet.

Als Lösung für die Berlichingen-straße 12 wurde ebenfalls eine Beschlagnahmung diskutiert. Die Idee habe man aber verworfen. Als Lösung wird den Eigentümern vorgeschlagen, dass die seit März ausstehende Miete vom Amt nachgezahlt wird. Voraussetzung sei aber, dass die bisherigen Mieter bleiben können. Langfristig wünschen sich die Bewohner, das Objekt selbst zu verwalten. Das Wohnheim sei bisher nicht ausgelastet. Nach einer Sanierung beispielsweise des Dachgeschosses könnten noch mehr Menschen darin wohnen. Ein Träger, der Teile der Sanierung übernehmen würde, sei auch schon gefunden. Nur bekomme man von den Eigentümern keine Antwort. »Es ist ein Spiel auf Zeit. Es geht darum, wer zuerst die Nerven verliert. Wer länger aushält, gewinnt«, findet Stephan von Dassel.

Aufgeben wollen die Bewohner jedenfalls nicht. Am 1. Dezember ist eine Kundgebung vor dem Firmensitz der Eigentümer geplant. Solange wollen sie ausharren. »Irgendwie hat man ja Hoffnung, dass es doch noch wird«, sagte Kilian.

Bis Redaktionsschluss lag eine Antwort der Eigentümer weder auf eine telefonische noch auf eine schriftliche Anfrage von »neues deutschland« vor.

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