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Macht Trump die USA zum »Epizentrum der Unsicherheit«?

Viele Ökonomen sind besorgt über den Ausgang der Wahlen

Pierre Moscovici wollte sich zunächst mit Kommentaren zur US-Wahl zurückhalten. Der EU-Wirtschaftskommissar sprach am Mittwoch ganz diplomatisch von einem »etwas besonderen« Tag, an dem er die Herbstprognose der Brüsseler Behörde vorstellte. Es waren eigentlich ganz gute Zahlen, die er da präsentieren konnte. Die Wirtschaft in der Eurozone wird dieses Jahr voraussichtlich um 1,7 Prozent, nächstes um 1,5 und übernächstes Jahr wieder um 1,7 Prozent steigen. Selbst Griechenland wird aus der Rezessionsfalle kommen, hofft Brüssel.

Auf Wahlsieger Donald Trump angesprochen, sprach Moscovici dann davon, dass sich auch in Europa viele Bürger vom Aufschwung ausgeschlossen fühlten. »Es gibt diese Anti-Establishment-Bewegung auch in unseren Ländern«, so Moscovici. Man müsse diese Sorgen ernstnehmen und aufgreifen. »Es kann nicht das Ende der offenen Wirtschaften sein.«

Ähnliches treibt den Chef des Ifo-Instituts um: »Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß«, schätzt Ökonom Clemens Fuest. Trump könne die Handelspolitik zwar nicht alleine bestimmen, aber der Abschluss neuer Abkommen wie TTIP werde deutlich schwieriger.

Ganz andere Sorgen hat indes der US-Starökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman: »Es ist eine schreckliche Nacht, nicht nur weil Trump womöglich gewinnen wird, sondern weil das ländliche weiße Amerika offenbar noch stärker in Rage ist, als ich dachte«, schrieb Krugman noch während der Stimmenauszählung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Indes ist fraglich, ob die Brüsseler Konjunkturprognose bald noch Bestand hat. »Wenn Donald Trump wirklich das umsetzt, was er im Wahlkampf angekündigt hat, werden wir unsere Prognosen signifikant nach unten korrigieren müssen«, meint der Chef des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn. Denn die »krude Mischung aus Protektionismus und scharfer Umverteilung« von unten nach oben durch Steuersenkungen würde die USA zu einem »Epizentrum der Unsicherheit in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen« machen. Dass TTIP jetzt keine Chance mehr habe, sei jedoch »beileibe« kein Schaden.

Beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist man weniger pessimistisch. »Ich erwarte keine großen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten«, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Trump werde keine seiner Androhungen wie den Austritt aus der Welthandelsorganisation (WTO) umsetzen können. »Der bald mächtigste Mann der Welt wird trotz seiner verrückten Wahlversprechen ziemlich machtlos sein.«

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