Von Jonathan Welker

»Trump wird Vergewaltiger und Frauenhasser ermutigen«

Journalistin Liza Featherstone im Interview über die zu erwartende frauenfeindliche Politik des neuen US-Präsidenten

Donald Trumps Wahlkampagne war in Bezug auf Frauen geprägt von der Verharmlosung sexueller Übergriffe und einem frauenverachtenden Grundton. Was sind ihre persönlichen Befürchtungen für die kommende Zeit unter dem neuen Präsidenten?

Zur Person

Liza Featherstone ist Professorin für Journalismus an der New York University und an der Columbia School of International Public Affairs. Sie schreibt unter anderem für „The Nation“, die „New York Times“ und die „Washington Post“. Zuletzt veröffentlichte sie den Sammelband „False Choices: The Faux Feminism of Hillary Rodham Clinton“. Darin kritisiert Featherstone den liberalen Feminismus von Hillary Clinton aus einer linken Perspektive. Sie bezeichnet sich selbst als sozialistische Feministin.

 

Ich befürchte, dass Trump Vergewaltiger und Frauenhasser ermutigen wird und es zu einer Art »Eröffnung der Jagdsaison« auf Frauen kommt. Nach allem, was er öffentlich und dokumentiert gesagt hat, halte ich das durchaus für möglich. Ebenso glaube ich, dass seine Präsidentschaft Rassisten und Fremdenfeinde bestärken wird und dass wir möglicherweise eine Zunahme von Gewalt gegen Minderheiten erleben werden.

Und was sein konkretes Regierungshandeln angeht? Wird es Einschnitte bei den Sozialprogrammen sowie den Rechten auf Abtreibung und sexuelle Selbstbestimmung geben?
Was die Krankenversicherung angeht, ist vom Schlimmsten auszugehen. Trump und der republikanische Senat werden alle Fortschritte, die es unter Obama gab, wieder rückgängig machen. Die Kämpfe um die sogenannten reproduktiven Rechte ihrerseits werden unmittelbar auf uns zukommen. Trumps Vizepräsident Mike Pence ist einer der härtesten Abtreibungsgegner des Landes. Um das Recht auf Beendigung der Schwangerschaft zu verteidigen, werden Frauen auf die Straße gehen und sich organisieren müssen.

Wäre die Situation unter einer Präsidentin Clinton besser?
Wir müssen anerkennen, dass auch die Demokraten ihre Arbeit denkbar schlecht bei der Verteidigung des Rechts auf Abtreibung gemacht haben. Clinton wäre bei diesem Thema zwar deutlich besser gewesen, aber sie hat Tim Kaine als ihren Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft aufgestellt. Kaine unterstützt das »Hyde Amendment«, ein Gesetz, das es verbietet, Bundesmittel für Abtreibungen zu nutzen. Auf eine gewisse Art und Weise glaube ich auch, dass Trump als Präsident dem Feminismus Auftrieb verleihen wird, wie es Clintons Kandidatur nicht geschafft hätte. Gestern beispielsweise protestierten junge Frauen vor dem Trump Tower und skandierten »Die Pussy schlägt zurück« (»Pussy Grabs Back«).

In ihrem Buch »False Choices«, das im Sommer erschien, kritisieren Sie explizit den liberalen Feminismus Hillary Clintons. Warum?
Clinton hat ihr ganzes Leben lang Interessen der Elite vertreten und diese über das Wohl der Armen und Arbeitenden gestellt. Goldman Sachs zahlte ihr nur deswegen so viel Geld für ihre Reden und die Finanzindustrie steckte nur so viel Geld in ihre Kampagne, weil sie wussten, dass Clinton auf ihrer Seite ist. Sie war die Kandidatin der Austerität. In den 1990ern zog sie erfolgreich gegen den Wohlfahrtsstaat zu Felde, mit der Folge, dass Millionen armer Frauen und Kinder die finanzielle Unterstützung wegbrach. Sie war auch die Kandidatin des Krieges: Sie stimmte als Senatorin für den gescheiterten Krieg in Irak und befürwortete als Außenministerin militärische Interventionen. Kriege, bei denen nicht zuletzt Frauen die Leidtragenden sind.

Viele Linke haben vor der Wahl für Clinton als das »kleinere Übel« optiert. Mit den von Ihnen aufgeführten möglichen Konsequenzen einer Präsidentschaft Trumps: Würden Sie einen Teil ihrer Kritik zurücknehmen?
Nein, das würde ich nicht. Ich dachte zwar, Clinton würde gewinnen – und damit lag ich falsch – aber sie war immer eine schreckliche Kandidatin und hatte Kritik verdient. Das Ergebnis der Wahlen zeigt vielmehr, dass die Form von Politik die Clinton vertritt, noch mehr gescheitert ist, als wir bisher angenommen haben. Wir Linken müssen jetzt eine genuine Alternative zur Frauenfeindlichkeit, dem Rassismus und dem Nationalismus, den Trump repräsentiert, darstellen.

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