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Komplizierter Sturm auf Mossul

Kurdischer General erwartet langwierige militärische Operation und eine zerstörte Stadt

  • Von Andreas Schmidt
  • Lesedauer: 4 Min.

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Herr General, seit Mitte Oktober dauert die Offensive zur Befreiung Mossuls an: Was lässt sich über die Militäroperation sagen?
Sie kann bislang im Großen und Ganzen als erfolgreich bezeichnet werden. Die Kooperation mit den irakischen Sicherheitskräften erweist sich als gut organisiert und sehr fruchtbar. Seitdem sich Masud Barzani, der Präsident unserer Autonomen Region Kurdistan, in Bagdad mit der Zentralregierung getroffen hat, um Fragen der Zusammenarbeit zu klären, bewegen wir uns militärisch gesehen auf klarem Kurs.

Allein die Streitkräfte der Peschmerga haben auf dem Weg nach Mossul über 30 Dörfer aus den Händen des Islamischen Staats (IS) befreit. Bashika, eine Stadt in einer Schlüsselposition zwischen Erbil und Mossul, ist komplett umzingelt. Der IS wird auch dort bald vertrieben sein. (Inzwischen finden Kämpfe zwischen IS und Peschmerga innerhalb von Bashika statt. - d. Red.)

Können Sie sagen, wie lange die Operationen noch dauern werden?
Obwohl wir stetig Fortschritte verzeichnen, muss man die Gefahren bedenken, die den Weg nach Mossul so riskant machen. Der IS war sich gewiss stets bewusst, dass es irgendwann Anstrengungen geben würde, die von ihm besetzen Gebiete zurückzuerobern. Er hatte zwei Jahre Zeit, sich darauf vorzubereiten. Die Straßen und Orte auf dem Weg nach Mossul sind in hoher Dichte vermint worden. Man hat Tunnelsysteme geschaffen, über die sich IS-Kämpfer versorgen und im Häuserkampf schnell bewegen können. Wenn sie eine Stellung aufgeben, bringen sie Sprengsätze und Fallen an, die dann durch unsere Soldaten mühevoll entschärft werden müssen.

Ich habe gehört, dass trotzdem über 130 Peschmerga durch Sprengfallen getötet wurden.
Das zeigt die Gefahren für die Kämpfer. Der Vormarsch kostet deshalb auch enorm viel Zeit. Manchmal bleiben auch Scharfschützen des Gegners in den Dörfern, die dann unsere Leute in vermeintlich sicherer Umgebung angreifen. Sie versuchen eben mit allen Mitteln, die Koalitionskräfte am Vormarsch zu hindern.

Wie muss man sich die befreiten Territorien vorstellen?
Südlich von Mossul bei Qayyarah hat der IS schon im August Ölfelder angezündet, die seitdem brennen und giftige Substanzen freisetzen. Auch das Niederbrennen der Fabrik in Al-Mishraq, wodurch hochgiftige Schwefelgase freigesetzt wurden, geht auf das Konto des IS. Man muss bedenken, dass der Kampf um Dörfer und Straßen auf offenem Terrain viel einfacher ist, als das, was noch bevorsteht. Mossul ist eine Millionenstadt, und der IS benutzt die Zivilbevölkerung als lebendes Schutzschild. Es wird wohl einen langwierigen Häuserkampf geben. Dass der IS militärisch besiegt werden wird, steht für mich aber außer Frage.

Es gibt Berichte von Giftgas-Attacken seitens des IS, können Sie das bestätigen?
Der Einsatz von Giftgas ist kein Einzelfall. 2014 war es meistens Chlorgas, nun gibt es auch Attacken mit Senfgas. Wir mussten bisher ca. 450 Peschmerga mit Verletzungen durch Giftgas behandeln. In der Zivilbevölkerung gibt es nach unseren Informationen drei Todesopfer.

Wie wird zukünftig mit den befreiten Gebieten umgegangen werden?
Viele Dörfer sind stark zerstört worden. Dazu kommen die Sprengfallen und Minen, die Ortschaften unbewohnbar machen. Schon jetzt gibt es hier über 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge, durch die Kämpfe um Mossul werden schätzungsweise bis zu 700 000 dazukommen. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich allen Menschen eine sichere Rückkehr in ihr Zuhause zu ermöglichen.

Wie wollen Sie das schaffen?
Wir benötigen immense Unterstützung. Nicht nur von der Zentralregierung in Bagdad, sondern auch von internationalen Hilfsorganisationen und unseren Koalitionspartnern im Westen. In den Gebieten, die zur autonomen Region Kurdistan in Irak gehören, lebten bis 2014 etwa 5,5 Millionen Menschen. Einschließlich der Einwohner in den Gebieten, die jetzt von den Peschmerga befreit wurden, sind es aber schon etwa zehn Millionen. Den Wiederaufbau und die anschließende Rückkehr zu ermöglichen, ist also eine gewaltige Aufgabe.

Um langfristig in Irak und insbesondere der Kurdischen Autonomen Region Frieden und Stabilität zu schaffen, bedarf es vielfältiger Kooperation und Unterstützung, sowohl auf militärischer Ebene als auch im Hinblick auf den Wiederaufbau. Die Menschen hier brauchen eine Perspektive.

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