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Produktionsprozesse vor der Linse

Eine Foto-Ausstellung zeigt die Betriebsabläufe von neun Unternehmen in Schöneweide

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Normalerweise holen sich die Mitglieder der Neuköllner Fotogruppe Ortoklick Blumen vor die Linse. Beliebte Motive sind auch Tiere und Landschaften. Doch in den zurückliegenden Monaten lichteten die 13 Frauen und Männer ganze Produktionsabläufe in Berliner Betrieben ab. Die Ergebnisse sind noch bis zum 6. Dezember in einer Ausstellung im Industriesalon Schöneweide zu sehen.

Neun Betriebe nahmen die Neuköllner in den Fokus. Dazu gehörten traditionsreiche Hersteller von Batterien und 3-D-Scannern, eine Skulpturengießerei sowie ein Computerchip-Hersteller.

»Das war Neuland für uns«, sagt Heinz Georg Schubel, der den Hobbyklub leitet. Einige Mitglieder seien anfangs skeptisch gewesen, am Ende sei es aber »ein toller und vor allem interessanter Auftrag gewesen«.

Unter ganz neuen Bedingungen. Nachdem die Fotografen mit ihrer kompletten Ausrüstung angerückt waren, mussten sie oft feststellen, dass der Platz zum Aufnehmen begrenzt war, Stative mitunter sinnlos und auch Blitzlicht verboten. So wie bei der First Sensor AG. Herzstück dieses Standortes ist die Halbleiterfertigung von Siliziumchips. Die Mitarbeiter tragen spezielle Schutzanzüge. Auch die Fotografen mussten diese anziehen, und ihre Kameras wurden in einer Schleuse mit Druckluft gereinigt. Bei der Admos Gleitlager GmbH beobachteten die Fotografen Schmelzarbeiten am offenen Feuer.

Im Unternehmen Leonie Kabel Berlin entstehen medizinische Lasersonden für die Chirurgie sowie Spezialkabel für Industrie, Wissenschaft und Forschung. »Extra für uns wurde ein Glasfaserfaden gezogen«, sagt der Fotoclub-Chef Schubel.

Rund 3000 Bilder sind über einen Zeitraum von sieben Monaten entstanden. 84 sind im Industriesalon Schöneweide ausgestellt. »Mit der Ausstellung möchte der Industriesalon den Beweis antreten, dass Schöneweide bis heute ein Standort für Produktion ist«, sagt die Leiterin Susanne Reumschüssel. Selbst viele Anwohner seien der Meinung, in den alten Industriebauten sei sowieso nichts mehr los.

Schöneweide gilt als historisches Gründerzentrum der Berliner Großindustrie. Nach der Wiedervereinigung wurde das ehemals größte innerstädtische Industriegebiet der DDR weitgehend »abgebaut«. Gewachsen sind mittlerweile Spezialbetriebe. Viele gründeten sich aus den ehemaligen Werken aus und erobern inzwischen den Weltmarkt. »Zusammen bilden sie eine starke Basis für die künftige Entwicklung zum Wissenschafts- und Technologiestandort im Berliner Südosten«, sagt Susanne Reumschüssel.

»Die laufende Produktion - Betriebe aus Schöneweide im Fokus«. Geöffnet bis 6. Dezember täglich (außer montags) von 14 bis 18 Uhr. Ort: Industriesalon Schöneweide, Reinbeckstraße 9. Eintritt frei.

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