Werbung

Krisenbotschaft

PERSONALIE

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Welchen Rat er ihm denn für München geben könne, fragte Matthias Lilienthal zwei Jahre vor seinem 2015 erfolgten Dienstantritt als Intendant der Kammerspiele einen guten Freund. Der antwortete: »Geh’ auf die Interessen der Münchener ein. Das ist ein gebildetes Publikum, das Provokation um der Provokation willen nicht gut findet.« Damals war nicht abzusehen, dass beide im Jahr 2016 zu den umstrittensten Theatermachern Deutschlands avancieren sollten. Denn der den guten Rat gebende Freund heißt Chris Dercon und ist jener Museumskurator, den die Politik 2017 gegen den Widerstand der Hauptstadtkulturszene als Intendant der Berliner Volksbühne installieren will.

An jener Volksbühne war Lilienthal bis 1998 Chefdramaturg, bevor er als Intendant bis 2012 das Berliner Hebbel am Ufer zum Fixpunkt postmoderner Performances umgestaltete. Nach München war er gewechselt mit dem Anspruch, ein nach allen Seiten offenes Ensembletheater aufzubauen. Das ließ sich schwer vereinbaren mit einer konsequenten Umsetzung von Dercons Rat: Er musste die Schickeria erschrecken, sie provozieren, ihr Neues zumuten. Nach einem Jahr wird der Protest des Bürgertums nun lauter.

Die Kulturbetriebsnudeln nutzen diese erste Krise, um Lilienthal hart zu kritisieren. Er, der das klassische Schauspiel als »Kunstkacke« denunzierte, musste kürzlich die Premiere von Houellebecqs »Unterwerfung« absagen, weil dem Regisseur Julien Gosselin politische Vorgaben des Theaters nicht passten. Zudem wurde publik, dass vier Ensemblemitglieder das Haus verlassen werden, weil unter Lilienthal nicht die Schauspielkunst zähle, sondern nur die politische Botschaft.

Ein Signal zum Angriff: In den Medien mehren sich Stimmen, die sich gegen die Entwicklung des Hauses wenden. Ob diese veröffentlichte Meinung Lilienthal gefährlich werden kann, muss sich noch zeigen. Es ist aber zu erwarten, dass er als gerne gegen das Establishment wütender Teil des Establishments dem Sturm locker trotzt. Notfalls kann er sich auch wieder den Rat seines guten Freundes Chris Dercon einholen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen