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Weniger Giftgase auf der Ostsee

Die Umweltregeln für die Schifffahrt werden deutlich verschärft - allerdings nicht sofort

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

Die maritime Wirtschaft auf der Ost- und Nordsee muss sich auf neue Umweltvorschriften ausrichten. Zukünftig gelten für Frachter, Fähren und Kreuzfahrtschiffe deutlich schärfere Klimaregeln als bislang. Ab 2020 dürfen weltweit nur noch Treibstoffe eingesetzt werden, die höchstens 0,5 Prozent Schwefel enthalten. Bislang lag der Grenzwert bei 3,5 Prozent. Dadurch wird laut Reederverband VDR der zulässige Schwefelanteil im Brennstoff um 86 Prozent abgesenkt.

Beschlossen hat dies die Internationale Schifffahrtsorganisation IMO Ende Oktober in London. Die Entscheidung kam überraschend. Im Vorfeld hatten etliche Beobachter befürchtet, dass die 171 Mitgliedsstaaten der UN-Organisation die Entscheidung noch um weitere fünf Jahre auf die lange Bank schieben würden.

Bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Schweröl, mit dem Seeschiffe üblicherweise angetrieben werden, bildet sich giftiges Schwefeldioxid. Schiffsabgase sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Krebs erregend. Allerdings bemüht sich die maritime Wirtschaft seit Jahrzehnten um weltweit gültige Umwelt- und Klimastandards. Für Schwefel gab es bislang nur regional begrenzte Lösungen - etwa für die Ostsee oder die amerikanische Küste.

Die Weltschifffahrtsorganisation IMO verabschiedete auf ihrer einwöchigen Tagung zudem härtere Regeln für Kohlendioxid und Stickoxide. Davon wird besonders der Ostseeraum profitieren. Für die Ostsee wird ab 2021 eine neue Vorschrift eingeführt, nach der Schiffe ihren Ausstoß an Stickoxiden um rund 75 Prozent reduzieren müssen. Stickoxide tragen zum Abbau der Ozonschicht bei, führen zu Smog und fördern »sauren« Regen. Allerdings gilt die Regelung nur für Neubauten.

Auch beim Klimagas Kohlendioxid (CO2) wird noch Zeit gebraucht. Ab 2019 müssen alle Reedereien ihren Brennstoffverbrauch zur Auswertung an die IMO übermitteln. Eine verbindliche Entscheidung für weitere CO2-Minderungsmaßnahmen soll dann 2023 »auf Grundlage einer soliden Datenbasis« fallen, erklärt ein Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg.

Der Reederverband begrüßt die jüngsten Entscheidungen: »Damit ist faktisch das Aus für den heute üblichen Schwerölbetrieb der Seeschiffe beschlossen.« Weltweite Regelungen seien außerdem wettbewerbsneutral. Die Reeder - jedes dritte Containerschiff weltweit gehört deutschen Eignern - fürchten »regionale Sonderlösungen«. So will die EU-Kommission die Seeschifffahrt in den Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten aufnehmen.

Auch die Naturschutzorganisation NABU »begrüßt, dass Schiffskraftstoffe künftig schwefelärmer werden«. Doch selbst dann sei die Gefahr, die von Schweröl ausgehe, längst nicht gebannt. Denn der Schiffskraftstoff werde auch nach Inkrafttreten der neuen Regeln immer noch 500 Mal so dreckig sein wie Lkw-Diesel. Das hält man beim Reederverband für eine verkehrte Sicht: Pro Tonnenkilometer (pro gefahrenem Kilometer und Tonne) sei das Schiff der mit Abstand umweltverträglichste Verkehr. Außerdem sei die Seefahrt für die Industrie und unseren Alltag unverzichtbar.

Die fünf großen Containerhäfen in Europa - Le Havre, Antwerpen, Rotterdam, Bremen und Hamburg - begrüßten ebenfalls den IMO-Beschluss. »Das trägt bei zu einer saubereren und nachhaltigeren Zukunft der internationalen Schifffahrt«, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die bereits vor der Londoner Konferenz veröffentlicht wurde. Die Häfen versprechen sich eine spürbare ökologische Entlastung. Die Regierungen der einzelnen Hafenstädte stehen unter großem politischen Druck der Bevölkerung, die schädlichen Auswirkungen der Schifffahrt zu reduzieren.

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