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Den Spöttern ein Vorbild sein

»Der kleine Weihnachtsmann« im Weiten Theater

Mickerschlitten! Damit könnten Kinder ihn kaum erkennen, spottet man im nordischen Weihnachtsmännerdorf, wo Schnee fällt, wenn bei uns noch Sommer ist. Ist das gemein. Winzig ist er allerdings, »Der kleine Weihnachtsmann«, über den Anu Stohner vier Bücher schrieb. Das Weite Theater für Puppen und Menschen suchte sich das erste für eine vom Senat geförderte Inszenierung aus.

»Nach Anu Stohner«, heißt es dort. Das ist richtig so, denn es gibt viel Eigenes dazu. Die Engel Griseldis und Irmeline - Irene Winter und Christine Müller - erzählen und spielen das Stück. Schnell wird klar, dass der kleine Weihnachtsmann eigentlich den Spöttern Vorbild sein könnte. Seine Basteleien sind eher fertig, seine Geschenke verpackt, wenn andere im Dorf noch basteln.

Ja, und sein Schlitten ist bepackt, wenn bei anderen die Kufen noch nach Wachs schreien. Dennoch nuschelt der Oberweihnachtsmann was von vielleicht nächstem Mal, als es an die Abfahrt geht. Wieder darf der kleine Weihnachtsmann nicht mit.

Für Kinder ab vier Jahren ist das knapp einstündige Stück gemacht. Sie können gut verfolgen, wie es dem Kleinen mit dem Rauschebart ergeht. Gut dargestellt ist im Hintergrund das Dorfgeschehen mit Flachfiguren, gut im Vordergrund das Spiel mit Puppen und viel Tuch, in das sich der kleine Weihnachtsmann verkriecht und träumt - in seiner Traurigkeit noch schrumpfend. Rührend wirkt die von Christine Müller geführte, zwergenhafte Puppe mit so viel »Herz«. Dazu komisch, ohne Respekt einzubüßen.

Unter den Puppendarstellern sind solche, die Kinder in ihrem Zimmer zu Hause finden können, wenn sie die Geschichte nachspielen möchten. Es sind die Tiere, zu denen der kleine Weihnachtsmann Geschenke in den Wald bringt. Denn auf einem Spaziergang hatte er sie beklagen hören, dass niemand sie am Weihnachtsabend besuche.

In der Ausstattung von Magdalena Roth, Gildas Coustier und dem Inszenierungsteam werden nun Dosen und Schachteln geöffnet, aus denen der Überraschungsgast im Wald seine Gaben verteilt. Hier ufert das Stück allerdings in Geschwätzigkeit aus, wird mit Gags überfrachtet - wohl als Geste an Erwachsene. Das brauchen weder die Geschichte noch die zwei Puppenspielerinnen, um zu überzeugen. Lässt sich darauf verzichten? Vielleicht nächstes Mal?

Weiß der Weihnachtsmann, was den Berliner Regisseur Wieland Jagodzinski in dieser Beziehung beim Inszenieren getrieben hat. Der weit gereiste Künstler und Dozent, der mit viel Courage in Kabul das erste Puppenensemble des Landes, das »Parwaz Puppet Theatre«, gründete und stolz die Diplomarbeit des Ensemblemitglieds Abdulhaq Haqoo hier an der Hochschule für Schauspielkunst erleben konnte, kennt das Weite Theater von »Geburt« an vor über 20 Jahren und blieb der standhaften Truppe verbunden. An deren Bühne dieses Weihnachtsstück zu inszenieren, ist auch ein Geschenk.

Nächste Vorstellungen: 15., 16., 27. November im Weiten Theater, Parkaue 23, Lichtenberg

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