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Zurück in den Hörsaal

Die Konferenz »Lernfabriken ... meutern!« soll Bildungsproteste wiederbeleben

Wenn heutzutage über Bildungsprotest gesprochen wird, dann klingt das oft wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Banner, auf denen »Bildungsstreik!« steht, und Studenten, die »Bildung für alle!« skandieren, finden sich hierzulande eher auf alten Erinnerungsvideos als in aktuellen Nachrichtensendungen. Den letzten großen, bundesweiten Bildungsstreik gab es im Sommer 2009, als bei dezentralen Demonstrationen gleichzeitig fast 300 000 Schüler, Studenten und Dozenten für eine demokratische und sozial gerechte Bildungslandschaft auf die Straße gingen.

Was ist seitdem passiert? Gibt es keinen Grund mehr zu demonstrieren? Oder sind die Leute gar protestfaul geworden? Mitnichten, wie die Konferenz »Lernfabriken ... meutern!« zeigt, die am kommenden Wochenende in den Räumen der Universität Duisburg-Essen stattfindet. Lokale Protestgruppen und einzelne Engagierte aus ganz Deutschland werden dann zusammenkommen, um über aktuelle Probleme in der Bildungspolitik zu diskutieren und Lösungswege zu suchen - sprich: künftige Proteste zu planen.

Denn nach wie vor, so die Organisatoren der Konferenz, gebe es zahlreiche Gründe, gegen das Bildungssystem auf die Barrikaden zu gehen: »Das Bildungswesen in Deutschland ist sozial selektiv wie kaum ein anderes. Inhalte, die in Bildung und Wissenschaft erarbeitet und verbreitet werden, unterliegen zunehmend Verwertungszwängen«, ist auf der Facebook-Seite der Konferenz zu lesen - verbunden mit dem Aufruf, im nächsten Jahr nach längerer Pause wieder auf die Straßen zu gehen: »Die kommende Konferenz soll zunächst das Startsignal für Proteste im Sommer 2017 liefern.«

Doch: Wofür oder wogegen soll eigentlich konkret demonstriert werden? Die Ankündigungen sind recht vage formuliert. Auf Nachfrage des »nd« erklärten die Organisatoren, eher über das große Ganze diskutieren als sich im realpolitischen Kleinkram verheddern zu wollen. Die Gefahr, dass sich die Konferenz auch im großen Ganzen verheddern könnte, sehen sie dagegen nicht. Ob auf diese Weise genügend Menschen abgeholt und auf die Straße gebracht werden können, um für einen wirksamen Protest zu sorgen, wird sich zeigen.

Für genügend Gesprächsstoff ist auf jeden Fall gesorgt - das Programm der Konferenz ist prall gefüllt. Los geht es am Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion über die Frage, wie ein erfolgreicher Bildungsprotest überhaupt aussieht. Samstag und Sonntag finden dann Workshops, Diskussionen und Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen statt, etwa »Arbeitsbedingungen in Lehrberufen«, »Rassismus und diskriminierungskritische Bildung« und »Prägung der Geschlechterrollen durch das Bildungssystem«.

Man sieht: Die Organisatoren wollen nicht beim Thema Bildung stehenbleiben, sondern Schnittmengen zu anderen Protestfeldern suchen. Denn auch ihnen ist offenbar nicht entgangen, dass sich die Protestlandschaft in den letzten Jahren massiv verändert hat. Spätestens seit dem »Sommer der Migration«, als täglich Tausende Geflüchtete nach Deutschland kamen, steht vor allem die Flüchtlingsthematik im Zentrum des Engagements linker Gruppen.

An dieser Stelle setzen die Organisatoren an. So startet die Konferenz am Wochenende mit der Frage: »Warum überhaupt Bildungsprotest? Gibt es nicht wichtigere Probleme?«

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