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Hit in Rot

Radieschen wirken wie Multivitamintabletten und nehmen es mit schweren Krankheiten auf

  • Von Angelika Lensen
  • Lesedauer: 4 Min.

Radieschen sind im Gemüsegarten vor allem für Kinder ein Hit, weil sie leicht anzubauen sind. Sie gehören zur Familie der Kreuzblütler, genau wie Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl, Blumenkohl, Weißkohl, Chinakohl und Kohlrabi. Blumenkohl konnte in einer Studie laut dem Fachjournal »Carcinogenesis« sogar das Wachstum von Krebszellen hemmen.

Dass die Kreuzblütler eine derartige Wirkung auf Krebszellen haben, wird dem Sulforaphan, einem Senföl, zugeschrieben, das auch in Radieschen zu finden ist. Studien zeigen nicht nur, dass Sulforaphan eine positive Wirkung bei Brustkrebs hat, sondern auch bei Prostata-, Darm- und Eierstockkrebs. Grund ist der zytotoxische Effekt auf die Krebszellen. Das Sulforaphan wirkt wie ein Zellgift bei den Tumorzellen. Leider werden beim Erhitzen etwa 90 Prozent davon zerstört. Es empfiehlt sich, Gemüse aus der Kreuzblütler-Familie möglichst roh zu essen. Radieschen eignen sich dafür besonders gut.

Dokumentationen aus dem alten Ägypten zeigen, dass man dort schon Radieschen aß, noch bevor die Pyramiden erbaut wurden. Die alten Griechen schätzten die kleinen roten Knollen derart, dass sie goldene Nachbildungen des Gemüses anfertigten. Rote Bete bekamen »nur« silberne Nachahmungen und bei Rüben reichte es nur noch für Blei. Ein altgriechischer Arzt schrieb ein ganzes Buch über Radieschen.

In China und Japan werden Radieschen auch schon mal gepökelt. Die Asiaten erreichen dadurch eine für sie attraktivere gelbe Farbe des Gemüses. Europäer finden dagegen den Geruch und Geschmack der gepökelten Variante meist unangenehm. Die gepökelten salzigen Radieschen sind Teil der japanischen Ernährung. Manche Sorten werden speziell zum Kochen gezüchtet.

Ihr spezielles Aroma macht Radieschen zum idealen Snack und durch ihre kräftige Farbe verschönern sie jeden Salat. Radieschen sind kleine Multivitamintabletten: Sie enthalten eine Reihe von Vitaminen (B, C, E und K) und Mineralstoffen (Zink, Kalium, Kupfer, Magnesium und Kalzium), allerdings in geringen Mengen. Nur Vitamin C ist wirklich nennenswert (25 Prozent der täglich empfohlenen Menge pro 100 Gramm), der Rest der Vitamine und Mineralien liegt weit darunter. Dafür sind Radieschen überaus figurfreundlich: 14 Kalorien pro 100 Gramm, da kann man sorglos zugreifen. Darüber hinaus sind die kleinen Kugeln der »Putztrupp« für übermäßigen Schleim. Sie reinigen die Nebenhöhlen, besonders bei älteren Menschen. Übermäßige Schleimbildung ist nach chinesischer Medizin ein Zeichen von Spannung im Körper. Sie kann durch Gifte, Lebensmittelzusatzstoffe und Allergien entstehen. Für übermäßige Schleimproduktion sorgen Milchprodukte und Weizen. Essen Sie das, sollten Sie auch zum Radieschen greifen.

Radieschen schützen gegen Schimmelinfektionen mit Candida albicans. In den vergangenen Jahren sind die Auswirkungen von Rettich und Radieschen auf Candida gut untersucht worden. Die Welt der Antischimmel-Medikamente ist ein Stück kleiner als die der Antibiotika, deshalb suchen Wissenschaftler nach immer neuen Antischimmel-Präparaten. In einigen Studien liegt der Fokus auf RsAFP2, einer Substanz, die Pflanzen vor Schimmelbefall schützt und die auch von Radieschen gebildet wird. Eine belgische Studie aus dem Jahr 2009 berichtet, dass dieses spezifische Eiweiß bei dem menschlichen Krankheitskeim Candida albicans den Zelltod fördert. Andere Studien bestätigen, dass RsAFP2 aktiv ist in der Zellwand von Candida albicans, dort die Zellwand schädigt und wirksam vernichtet. Das lässt dem Schimmel keine Chance.

Radieschen enthalten Glucosinolate oder Senfölglykoside, die das Wachstum von Krebszellen bremsen und Apoptose erzeugen, den programmierten Zelttod von alten und geschädigten Zellen. Darüber hinaus entwässern sie und wirken so als natürliches Diuretikum. Das wirkt sich positiv auf einen zu hohen Blutdruck aus und reinigt darüber hinaus die Harnwege. Harnwegsinfektionen haben auf diese Weise keine Chance sich auszubreiten. Außerdem besitzen die roten Knöllchen besitzen ein einzigartiges Molekül, das Indol-3-Carbinol (I3C). Es ist bei allen Kreuzblütlern zu finden und hemmt Entzündungsmediatoren im Blut, die einen Entzündungsprozess im Körper einleiten oder aufrechterhalten. Bekannte Entzündungsfaktoren sind zum Beispiel Histamin und Interleukin. Histamin spielt eine zentrale Rolle bei Allergien und der Immunabwehr und das Interleukin ist wichtig für die Kommunikation der Abwehrzellen. Radieschen verbessern entzündliche Hauterkrankungen wie Akne, Ekzeme oder Schuppenflechte. Sie lindern Schmerzen und Schwellungen.

Die kleinen roten Knollen helfen auch Herz und Blutgefäßen. Sie sind vollgepackt mit Anthocyanidinen. Diese sekundären Pflanzenstoffe, die auch für die rote Farbe verantwortlich sind, begrenzen Schäden an den roten Blutkörperche, in dem sie Sauerstoff abgeben. Das beugt Herz- und Gefäßkrankheiten vor. Anthocyanidine, eine Gruppe der Anthucyane, sind auch in Blaubeeren, Erdbeeren und roten Trauben zu finden.

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