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Heftiger Streit zwischen DOSB und Trainerakademie

Der Verband will seinen Sportvorstand an die Spitze der Kölner Ausbildungsstätte hieven, dort ist man empört

  • Von Jörg Mebus, Köln
  • Lesedauer: 4 Min.

Gut zwei Wochen vor der mit Spannung erwarteten DOSB-Mitgliederversammlung in Magdeburg sorgt ein Streit zwischen zwei der einflussreichsten deutschen Sportfunktionäre für Misstöne. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, und Thomas Weikert, Chef des Tischtennis-Weltverbandes ITTF, liefern sich ein Scharmützel, das tief blicken lässt.

Fest steht: Die ersten Aufräumarbeiten des DOSB im Anschluss an die viel diskutierte Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young haben direkt einen Scherbenhaufen hinterlassen. Der Versuch einer Neuordnung an der Spitze der Trainerakademie in Köln stellt erneut die strategischen Fähigkeiten der DOSB-Bosse infrage.

Völlig ohne Not hat Hörmann einen Streit um den Posten des Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins der Akademie vom Zaun gebrochen. DOSB-Sportvorstand Dirk Schimmelpfennig soll dieses Amt übernehmen und den amtierenden Boss ersetzen: Thomas Weikert. Der Haken: Weikert, einer der letzten deutschen Sportfunktionäre mit Einfluss über die Bundesgrenzen hinaus, will gar nicht weichen - und beklagt sich nun heftig über schlechten Stil.

»Hätte man sich mit uns in der Trainerakademie frühzeitig über Hintergründe unterhalten - wir und ich wären für alles offen gewesen. Aber mit uns hat niemand gesprochen«, sagte der Rechtsanwalt. Stattdessen gab es eine schriftliche Anweisung von oben: »Die Art und Weise gefällt mir überhaupt nicht, man muss lernen, vernünftig miteinander umzugehen.«

Laut »FAZ«, die zuerst über den Sachverhalt berichtete, hat DOSB-Präsident Alfons Hörmann vor einer Woche in einem knappen Brief Weikert von dem gewünschten Personalwechsel informiert. »Ich darf Sie bitten, diese Personalien auf Ihrer Mitgliederversammlung am 24. November zu bestätigen«, schrieb Hörmann.

Doch Weikert ist kein Mann, der sich so einfach abservieren lässt. Das tat er in seinem Antwortschreiben auch deutlich kund. »Ihre Vorgehensweise ist des Deutschen Olympischen Sportbundes nicht würdig«, schrieb er Hörmann.

Weikert glaubt, dass der Vorstoß Hörmanns eine Reaktion auf die vom DOSB in Auftrag gegebene Studie von Ernst & Young war. »Der DOSB solle mehr Kontrolle ausüben, hieß es da. Das ist eine direkte Folge davon«, sagte Weikert dem SID. Auch die Empfehlung, Einsparungen vorzunehmen, bekommt die Trainerakademie direkt zu spüren. Der DOSB kürzte die Zuwendungen nach FAZ-Angaben um 5000 auf 33.000 Euro und nahm in Kauf, dass dadurch der ganze Verteilerschlüssel durcheinander gerät. Den größten Teil des Budgets (643.000 Euro) der wichtigsten Ausbildungsstation für deutsche Trainer tragen der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen.

Tatsächlich hätte sich Weikert mit vernünftigen Argumenten und in einem persönlichen Austausch kinderleicht vom Schritt zur Seite überzeugen lassen. »Ich klebe mit Sicherheit nicht an dem Amt«, sagt er. 2008 wurde Weikert von Hörmanns Vorgänger, dem heutigen IOC-Präsidenten Thomas Bach, in das »politische Amt« gedrängt. Mittlerweile hat er zwar viel Spaß daran gefunden, doch Weikert betont auch: »Das Amt gibt mir jetzt nicht direkt das Profil, Bundeskanzler zu werden.«

Nun geht es ihm ums Prinzip, und Weikert schließt nicht aus, dass die Sache noch richtig hässlich werden könnte. Satzungsgemäß könne der DOSB den Vorstandsvorsitzenden zwar vorschlagen, die Mitgliederversammlung der Trainerakademie könne diesen aber ablehnen. Die auf den 24. November terminierte Vollversammlung mit Vorstandswahl hat Weikert bereits abgesagt. Sie soll nun Mitte Dezember stattfinden, wenn sich beide Seiten etwas sortiert haben.

Die Aufräumarbeiten haben bereits begonnen. Schimmelpfennig und Weikert, die sich aus gemeinsamen Tagen beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) seit Jahrzehnten kennen und schätzen, arbeiten sich schon an dem Scherbenhaufen ab. »Dirk und ich sind Freunde, wir haben am Mittwoch zwei Stunden miteinander geredet. Ich kann mir vorstellen, dass sich da eine Lösung abzeichnet«, sagt Weikert.

Doch selbst wenn dies der Fall sein sollte: Ernst & Young und die Folgen bleiben für den DOSB ein riesiges Problem. Vor der Mitgliederversammlung in Magdeburg, wo die Spitzensportreform im Mittelpunkt steht, flammt hinter den Kulissen die Debatte über Stil, Strategie und Transparenz neu auf. Die 200-seitige, nicht gerade schmeichelhafte Expertise von Ernst & Young wurde vom DOSB auf 39 Seiten komprimiert veröffentlicht. Die Langfassung ist unter Verschluss - immer mehr Leute fragen, warum. SID/nd

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