Werbung

Orang-Utans bleiben Freunde fürs Leben

Der australische Primatenforscher Leif Cocks fand heraus, dass die bedrohten Menschenaffen sozialer leben, als lange angenommen, und intelligenter mit Werkzeugen umgehen als Gorillas und Schimpansen

  • Von Barbara Barkhausen
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Orang-Utans sind nicht die nächsten Verwandten des Menschen. Gleichwohl hält Primatenforscher Leif Cocks sie für die intelligentesten Tiere. Sie teilen zwar immerhin rund 97 Prozent des Erbgutes mit den Menschen, doch Schimpansen und Gorillas sind mit 99 Prozent beziehungsweise 98 Prozent Übereinstimmung noch ähnlicher.

Dass Orang-Utans Schimpansen und Gorillas dennoch überlegen sind, dafür hat Cocks, der mit seiner Organisation »Das Orang-Utan-Projekt« für den Erhalt der gefährdeten Tiere kämpft, ein gutes Beispiel: »Wenn man einem Schimpansen einen Schraubenzieher gibt, wird er ihn auf einen anderen Schimpansen werfen«, erzählte er in einem Interview zu seinem neuen Buch »Orangutans: My Cousins, My Friends«. »Wenn man einem Gorilla einen Schraubenzieher gibt, wird er sich damit kratzen.« Dieser sei ein wenig wie die Gewinner eines Sportstipendiums - schön, aber nicht unbedingt schlau.

»Wenn man den Schraubenzieher dagegen einem Orang-Utan gibt, dann wird er ihn dafür verwenden auszubrechen.« Letzteres sei in Zoos schon häufiger vorgekommen. Er selbst habe erlebt, wie Orang-Utans über mehrere Tage Ziegel lockerten, sie wieder hineinschoben, um ihre Pläne nicht auffliegen zu lassen, und letztendlich auszubrechen versuchten, sobald die improvisierte Leiter daraus fertig war.

Doch Orang-Utans, die in der Natur nur noch im Norden Sumatras und auf Borneo vorkommen, sind nicht nur erstaunlich intelligent, verfügen über gutes räumliches Denken und können Körpersprache lesen. »Sie sind auch die liebevollsten, am meisten unterstützenden und innigsten Mütter«, sagte Cocks, der 27 Jahre für den Zoo in Perth arbeitete, bevor er sich mit dem Orang-Utan-Projekt vollständig den Menschenaffen verschrieb. Laut Cocks sind die Tiere geduldig und friedfertig. Obwohl sie ein Vielfaches stärker als Menschen seien, hätten sie noch nie einen Menschen getötet.

Menschen dagegen haben bereits zahllose Orang-Utans getötet. Nach Angaben der Umweltorganisation WWF sind heute beide Orang-Utan-Arten, sowohl die auf Borneo wie auch die auf Sumatra lebende, gefährdet. Während es vor etwa einem Jahrhundert vermutlich noch etwa 230 000 Orang-Utans gab, leben inzwischen nur noch etwa 45 000 bis 69 000 auf Borneo. Auf Sumatra sind es noch deutlich weniger - der Bestand dort wird auf 7500 Tiere geschätzt.

Schuld am langsamen Aussterben der Menschenaffen ist der Mensch. Jedes Jahr in der Trockenzeit finden in Indonesien Brandrodungen statt. Wertvolle Torfmoorwälder - die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher der Tropen - fallen den Bränden zum Opfer, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen. Palmöl ist ein begehrter Rohstoff. Es ist in Hautcremes, Lotionen, Kosmetikprodukten, Seife und Sonnenmilch ebenso enthalten wie in Lebensmitteln, etwa Margarine, Schokolade, Chips und Fertiggerichten. Durch die jährlichen Brandrodungen werden nicht nur Unmengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre gejagt, es gehen auch wichtige Lebensräume für Orang-Utans, Tiger und Elefanten verloren.

Cocks kämpft mit seiner Organisation seit 1998 für das Überleben und den Schutz der Orang-Utans. Sein Projekt hat sich um über 200 Orang-Utans gekümmert. Schutzgebiete für 3500 Tiere und 332 000 Hektar Regenwald wurden eingerichtet. Dabei hat der australische Primatenforscher nicht nur eine Menge über die Orang-Utans gelernt, er hat auch Freunde fürs Leben gewonnen. »Die Freundschaft mit Orang-Utans ist viel ehrlicher als eine menschliche Freundschaft, weil sie nichts von dir brauchen oder wollen«, sagte Cocks. »Zusätzlich haben sie aber ein langes Gedächtnis, das heißt, sie sind Freunde fürs Leben.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!