Werbung

Mit kleinstem DDR-Lkw auf 1200-Kilometer-Tour

Der Leipziger Klaus Frank tuckerte mit einem Framo des Baujahrs 1956 neun Tage lang durch Deutschland

  • Von Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»Irgendeinen Vogel muss man ja haben«, sagt Klaus Frank. Der 73-Jährige fuhr kürzlich mit dem kleinsten Lastkraftwagen der DDR quer durch Deutschland - von Stuttgart bis Hamburg. Die »Tour der Highlights«, an der über 125 Fahrer teilnahmen, dauerte neun Tage.

Der »Vogel« des Fahrzeugbauers Frank, der noch jeden Tag in die Firma im sächsischen Markranstädt, Ortsteil Frankenheim, kommt, ist ein 29 PS starker Lastkraftwagen Framo. Dieser Typ wurde von 1954 bis 1961 in den Barkas-Werken in Karl-Marx-Stadt gebaut wurde, der Name Framo leitet sich von der ursprünglichen Produktionsstätte Frankenberg ab. Noch bis Ende der 1980er Jahre wurde der Pritschen-Transporter in der DDR im Alltag genutzt.

Klaus Franks Fahrzeug stammt aus dem Eichsfeld, auf dem Tacho standen 680 Kilometer. Klaus Frank: »Aber der war bestimmt zweimal rum.« Lastkraftwagen sind Franks Leidenschaft. Noch zu DDR-Zeiten machte er sich selbstständig. Die Frank Fahrzeug GmbH, geführt von Vater und Sohn, mit etwa 100 Mitarbeitern feierte kürzlich 50-jähriges Betriebsjubiläum. Experten für DDR-Technik also - was liegt da näher, als sich das eine oder andere Schätzchen zu kaufen und liebevoll zu restaurieren?

Erst war es ein S 4000 mit Anhänger (auch ein DDR-Lastkraftwagen), dann letztes Jahr der Framo, Baujahr 1956, Nutzlast 780 Kilogramm. Davon gibt es nicht mehr viele auf dem Markt. Auf die Frage, was so ein Framo kostet, antwortet Klaus Frank: »Vor allem viel Zeit.«

In der eigenen Werkstatt hat er ihn liebevoll restaurieren lassen - aus drei Getrieben wurde eins gemacht, ein paar Teile wurden extra angefertigt. Maßarbeit ist auch der Aufbau. Auf der Ladefläche steht ein Doppelbett mit Unterbau, der als Stauraum dient. »Suite« nannten Klaus Frank und sein Compagnon Dieter Stephan diesen Aufbau während der Tour. Immerhin 3,84 Quadratmeter ist das Huckepack-Schlafzimmer groß. Männer brauchen ja nicht viel. Franks Frau jedenfalls wollte partout nicht mit zur »Tour der Highlights«.

Die Rallye für historische Nutzfahrzeuge findet alle zwei Jahre statt. Im Jahre 2014 führte sie sogar ganz in der Nähe von Markranstädt vorbei: Als »Tour der Deutschen Einheit« von Bonn nach Berlin ging die Rallye auch durch Leipzig.

»Bei der Tour dieses Jahr von Stuttgart über Speyer, Trier und Münster waren wir mit dem kleinen Framo einer der Publikumslieblinge«, erzählt Klaus Frank stolz. Viele hielten den Framo für einen Amerikaner. Der Exot galt als kuschelig und nett. In Münster, als sie im Schritttempo über den Markt fuhren, lief ihnen sogar eine junge Frau hinterher. Sie wollte unbedingt den typischen Framo-Sound noch mal hören, der sie an den Trabi ihres Vaters erinnerte. Natürlich ist so ein DDR-Lkw kein Kraftprotz. Die Berge in der Eifel ging es während der Tour schön im zweiten Gang hoch. Der Framo schnaufte, gab aber nicht auf. Immerhin 75 Stundenkilometer schafft er ohne Probleme. Da Frank dem Framo hinten eine Busachse verpasst hat, ist eine schnellere Übersetzung möglich, heißt: 85 Stundenkilometer sind drin. Bergab.

Die 1200 Kilometer lange Tour führte zum größten Teil über Landstraßen. Klaus Frank: »Man nimmt die Gegend und die Orte ganz anders wahr auf so einer Reise fern der Autobahn. Man sieht, wie die Landschaft sich von Süd nach Nord verändert, die Häuser, die Gärten.«

Übernachtet haben er und Kollege Dieter Stephan in der »Suite«, gehörten abendliche Gespräche mit den anderen Tour-Teilnehmern doch dazu. Im Hotel wäre das nicht so möglich gewesen. Insgesamt 61 Lkw-Oldtimer waren bei dieser 15. Deutschlandfahrt historischer Nutzfahrzeuge dabei, teilweise mit zwei Millionen Kilometern auf dem Tacho. Sie kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Schweden, Norwegen, Holland und der Schweiz. Da wird geklönt und gefachsimpelt. Für Klaus Frank verbindet sich dabei auf ideale Weise Dienstliches mit Privatem, schließlich waren unter den anderen 125 Teilnehmern der Tour auch viele potenzielle Kunden.

Stolz ist der Fahrzeugbauer Frank darauf, dass der Framo problemlos die lange Tour quer durch Deutschland gemeistert hat: »Wir hatten zwar eine kleine Werkstatt dabei, aber im Prinzip hätten Schraubenzieher und Abisolierzange gereicht - nur einmal war ein Kabel lose.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!