Werbung

Tesla wird zum Energiekonzern

Elektroautopionier Elon Musk will mit dem Kauf eines Solarkonzerns sein Geschäftsfeld erweitern

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

Der US-Unternehmer Elon Musk ist seinem Traum einen Schritt nähergekommen. 85 Prozent der Aktionäre seines Elektroautobauers Tesla haben einer Fusion mit dem Solarmodulhersteller SolarCity zugestimmt. Musk ist Geschäftsführer von Tesla und Hauptanteilseigner von SolarCity, beide Firmen haben ihren Sitz im Silicon Valley.

»Wir freuen uns darauf, der Welt zu zeigen, was Tesla und SolarCity gemeinsam erreichen können«, sagte Musk am Donnerstag in Kalifornien. Er hatte seine Pläne über die Fusion mit einem Umfang von zwei Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) bereits im Juni vorgestellt. Musk will Tesla-Autobatterien über die Vertriebskanäle von SolarCity vertreiben. Konsumenten sollen sowohl ihr Haus als auch ihr Auto mit der Technologie beider Firmen ausstatten.

Doch Beobachter bezweifeln, dass die Fusion Sinn ergibt. Einen Tag vor der Zustimmung der Aktionäre meinte Jim Chanos, Gründer der Investmentfirma Kynikos Associates, Solarmodule würden Investoren keine guten Perspektiven bieten. Sie auf Dächern zu installieren, sei einfach nicht lukrativ. SolarCity hat in der Tat gerade erst einen Quartalsverlust von 225,3 Millionen Dollar einräumen müssen. 2015 waren es 769 Millionen Dollar, ein Jahr zuvor 375 Millionen Dollar. Der Schuldenstand beträgt drei Milliarden Dollar. »Die Kombination ist absurd, lächerlich«, legte Chanos nach. Die Solarbranche sei im Abwind.

Von anderer Seite wurde gemutmaßt, Musk wolle mit der Fusion nur seinen Cousins Lyndon und Peter Rive helfen, die SolarCity leiten. Doch Musk ist vom Erfolg überzeugt. Für SolarCity prognostiziert er für 2017 einen Umsatz von 1 Milliarde Dollar. Das wären 300 Millionen Dollar mehr, als für 2016 erwartet werden. Im vergangenen Jahr waren es 400 Millionen Dollar. Tesla hat zwar im vergangenen Quartal einen Gewinn von 22 Millionen Dollar erwirtschaftet. Doch nach einer Reihe verlustreicher Quartale sind in den vergangenen zwei Jahren Schulden von 1,2 Milliarden Dollar entstanden. Musk will das Steuer mit der neuen Limousine Model 3 herumreißen. Die wird ab 2017 für 35 000 Dollar erhältlich sein. Musk plant Gesamtverkäufe von 500 000 Autos in den nächsten zwei Jahren. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 50 000.

Analyst Efraim Levy von CFRA Research sieht ebenfalls gute Perspektiven. Nach der Fusion könnten beide Firmen Kosten sparen. Zudem könnte Solarenergie durch die aktuell günstige Kombination von Kosten, Popularität und der anziehenden US-Wirtschaft lukrativ für die Unternehmen werden. Wie bei Tesla seien am Anfang umfangreiche Investitionen nötig, um schließlich davon profitieren zu können.

Letztlich könnte Donald Trump einen Strich durch Musks Rechnung machen. Der designierte Präsident kündigte an, dass sich die USA aus dem Weltklimaabkommen zurückziehen werden und er Fördermittel für den Übergang zu erneuerbaren Energien streichen werde. Am Donnerstag sagte Musk, das sei für Tesla und SolarCity kein Problem, solange Subventionen und Steuervergünstigungen für Öl- und Gasfirmen ebenfalls ein Ende finden würden. Wenn er unter fairen Verhältnissen agieren könne, sei er zuversichtlich: »Wenn alle Vergünstigungen wegfallen, würde die Wettbewerbsfähigkeit von Tesla deutlich zunehmen.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!