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Der Chef

DDR-Motorsportlegende, Vettel-Entdecker und erfolgreicher Teamchef: Peter Mücke wird 70

Große Feierlichkeiten sind nicht das Ding des Peter Mücke. «Wir sitzen gemütlich ganz in Familie beisammen. Ansonsten ist das ein normaler Montag», bemerkt Peter Mücke zu seinem heutigen 70. Geburtstag.

Wer den Mann kennt, der zu DDR-Zeiten mehr als 450 Siege bei Tourenwagenrennen und im Autocross gewann, der heute Chef des größten privaten Rennstall Deutschlands ist und durch dessen Schule Rennfahrer wie der spätere Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel gingen - der weiß, dass an solch einem Tag im Haus der Mückes im Südosten Berlins die Rede schnell auf den Motorrennsport gelenkt wird. Zumal der Chef vom Grand Prix der Formel-3 in Macau und Sohn Stefan von seinem Start beim Saisonfinale der FIA-Langstreckenweltmeisterschaft in Bahrain erst heute zurückgekommen sind. Peter Mücke dürfte ansonsten wohl den größten Teil des Tages zwischen Büro und Werkstatt verbringen, bevor er sich ein Glas Rotwein genehmigt.

Die ausgelutschte Floskel «Der hat Benzin im Blut» kann diesen Mann nicht beschreiben. Eher trifft die Diagnose: Der hat auch Blut im Benzin. «Mein Großvater war schon Rennfahrer, mein Vater DDR-Landestrainer für Motorrennsport. Ich war also schon als kleiner Junge an der Rennstrecke und erinnere mich, wie ich an der Bernauer Schleife im Fahrerlager mit meinen Modellautos gespielt habe», erzählt Peter Mücke.

Zu seinem ersten Rennen kam Mücke erst als 27-Jähriger. Für einen Freund hatte er aus einem Schrott-Wartburg einen Renner gebastelt. Aber an einem Renntag im Jahre 1974 auf eben jener Bernauer Schleife fehlte sein Pilot. Kurzentschlossen setzte sich Peter Mücke selbst ans Lenkrad - und wurde auf Anhieb Vierter. Erst danach habe ich meinen Eltern davon berichtet«, gesteht Mücke. Drei Jahr später wurde er erstmals DDR-Tourenwagenmeister - nicht mehr auf dem Wartburg, sondern auf einem Zastava. Als genialer Schrauber und Fahrer holte er aus dem jugoslawischen Fiat-Lizenzbau natürlich technisch sowie fahrkünstlerisch das Maximale heraus. Bald hatte der Berliner keinerlei Konkurrenz im gesamten Ostblock zu fürchten. Die Werksfahrer von Lada, Skoda oder Polski Fiat konnten dem Einzelkämpfer aus Treptow nur selten die Rücklichter zeigen.

1981 verließ Mücke die Tourenwagenszene und wechselte zum Autocross: »Hier gab es wenig Reglementierungen. Wir konnten Allradsysteme bauen, den Motor frei verändern, den Rahmen bauen und so weiter. Jedes Teil war von uns. Das war eine Herausforderung, weil ich nicht nur als Fahrer, sondern auch als Konstrukteur gefordert war.« Nahezu unschlagbar wurde Mücke, als er seinem Buggy zwei Yamaha-Motorradmotoren angepasst hatte. »Die habe ich ganz offiziell am Grenzübergang Sonnenallee unter den wachsamen Augen der Staatsmacht in Empfang genommen«, versichert Peter Mücke. Ein verschmitztes Lächeln kann er dabei nicht verbergen. Dabei hatte der Rennfahrer, der zwar für den Motorsportclub des VEB Auto-Trans Berlin startete, aber eigentlich seinen Sport fast aus eigener Tasche finanzierte, kaum Protektion. Man musste schon ein Überzeugungs- und Organisationstalent sein, um so ein deutsch-deutsches Geschäft am DDR-Außenhandel vorbei zu realisieren. Mückes Erfolge im Autocross setzten sich auch nach Öffnung nicht nur des Grenzpunktes Sonnenallee fort: Dreimal wurde er Europameister.

Das Unternehmen Mücke am Rande Berlins zählt etwa 80 fest angestellte Fachkräfte - ohne einen Cent Fördermittel, betont der Chef. In der Motorsportszene - ob in der DTM, Formel-3 oder den Nachwuchsklassen - hat sich das Mücke-Team den Ruf nicht nur eines Ausbildungsbetriebs für junge Rennfahrer erworben. Mücke setzt auf absolute Professionalität, absolute Gleichberechtigung der Fahrer und - keine Stallorder.

Aber Rennfahrer bleiben Rennfahrer - auch im Rentenalter. Immer wieder setzt sich Peter Mücke selbst hinter das Rennlenkrad. Mit einem Ford »Zakspeed« Turbo Capri, Baujahr 1980, 540 PS, beteiligt sich Mücke an internationalen Youngtimer-Rennen. Im Oktober erst gewann er in Österreich den Histo-Cup Austria auf der Rennstrecke von Spielberg gegen 25 Konkurrenten. Sein Mechaniker: Sohn Stefan. Und heute Abend werden gewiss schon neue Starts für das nächste Jahr besprochen.

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