Werbung

Geflügelpest lässt Kreuzberger kalt

Eine Gefährdung für Menschen ist nicht bekannt, Katzen könnten sich aber infizieren

  • Von Nicolas Šustr und Gaston Latz
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Landwehrkanal in Kreuzberg unweit der Baerwaldbrücke läuft der Alltag an diesem Montag wie gehabt. Menschen führen ihre Hunde aus oder genießen einfach den erstaunlich warmen und sonnigen Novembertag. Hier wurde am vergangenen Mittwoch von der Wasserschutzpolizei ein toter Schwan geborgen, am Freitag kam schließlich die Bestätigung, dass das verendete Tier der erste bestätigte Fall des Geflügelpest-Erregers H5N8 in Berlin war.

In einem Radius von drei Kilometern gilt nun für drei Wochen ein Sperrbezirk. Gehaltene Vögel und Bruteier dürfen nicht an andere Orte gebracht werden. Auch Hunde und Katzen sollen im Sperrbezirk vorsichtshalber nicht frei herumlaufen. »Ich weiß von nichts«, sagt eine ältere Dame. Ein junges Paar ist ebenso ahnungslos. Sie lassen sich auch nicht von einem rbb-Kamerateam verunsichern, das ebenfalls Stimmen einfangen will. Kein Schild weist auf die Anordnung hin.

19 tote Vögel hat die Berliner Feuerwehr seit dem Fund vom Mittwoch zum Landeslabor Berlin-Brandenburg gebracht. »Die werden diesen Montag im Landeslabor beprobt«, sagt Lars Hoffmann, Sprecher der Verbraucherschutzverwaltung. Sollte sich der Verdacht in einer ersten Probe bestätigen, werden die Kadaver ins sogenannte nationale Referenzlabor geschickt. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) befindet sich auf der Ostseeinsel Riems. Erst wenn dort das Virus erneut nachgewiesen wird, sprechen die Behörden von einem bestätigten Fall. Wie lang eine mögliche Bestätigung dauern wird, kann Hoffmann nicht sagen. »Wir sind ja nicht der einzige Ort, wo die Vogelgrippe nachgewiesen wurde«, sagt er. Man könne sich also vorstellen, was im FLI inzwischen los sei. Im Gegensatz zum H5N1-Erreger, der vor einem Jahrzehnt weltweit für Aufregung sorgte, gebe es bisher »keine Erkenntnisse, dass H5N8 auf den Menschen überspringt«, betont Hoffmann. Weltweit wurde noch nie ein Fall berichtet, bei dem H5N8 vom Tier auf einen Menschen übertragen worden ist und dieser Mensch krank geworden ist.

Wie oft die Feuerwehr von der Bevölkerung wegen toter Vögel bereits gerufen wurde, kann deren Sprecherin nicht sagen. »Das läuft bei uns unter der Kategorie Technische Hilfeleistungskleineinsätze, worunter zum Beispiel auch die Katze im Baum fällt«, sagt sie.

Dass verstärkt Menschen Vogelkadaver melden, kann sie jedoch bestätigen. »Unsere Telefonleitungen brechen nicht zusammen, aber es gibt deutlich mehr Anrufe«, sagt sie. »Manchmal sind es Kadaver von vollkommen anderen Tieren, die gemeldet werden«, berichtet die Feuerwehrsprecherin. »In einem Fall war es ein Vogelgerippe.« »Vögel sterben jeden Tag, ohne an einer Vogelgrippe erkrankt zu sein«, gibt auch Verbraucherschutzsprecher Lars Hoffmann zu bedenken.

Zuständig für die konkrete Umsetzung von Maßnahmen zur Vogelgrippe sind die bezirklichen Veterinärämter. Friedrichshain-Kreuzberg erließ bereits am vergangenen Dienstag eine siebenseitige Allgemeinverfügung. Vor allem durch die sogenannte Aufstallungspflicht - Geflügel darf nicht mehr unter freiem Himmel gehalten werden - soll eine Infektion durch Wildvögel vermieden werden.

»So etwas wird durchaus kontrolliert«, sagt Michael Grunst (LINKE), bis vor kurzem Treptow-Köpenicker Ordnungsstadtrat. »Manche Ämter machen das stichprobenartig, andere kontrollieren alle Betriebe.« Angesichts der überschaubaren Dichte landwirtschaftlicher Betriebe in der Hauptstadt ist das machbar. Zu den größten Geflügelhaltern dürften Zoo und Tierpark zählen. Dort sind die Vögel bereits in die Winterquartiere umgezogen. Im Tierheim Berlin ist das Vogelhaus nach wie vor für Besucher geöffnet. »Es wäre im Interesse der Besitzer, Hunde und Katzen nicht frei laufen zu lassen«, sagt Grunst, allein schon wegen nicht ausgeschlossener Infektionsrisiken. Aber das sei kaum durchzusetzen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!