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»Zieht mich eine Last nach unten«

Volker Braun erspürt in seinen Gedichten, wie das Unbehauste offener denn je zutage tritt

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Dichtung ist ein Parasit. Sie nährt sich von dem, was den Dichter auffrisst: jenes Elend der Welt, das sättigt; jene Sattheit also, mit der wir den Sinn aushungern. Der Dichter Volker Braun steht einsam im Gelände, zerscherbt ist das gläserne Bild der historischen Alternative. Aber nicht getrocknet der blutige Schaum, der sich dem Jahrhundert zynisch als Krone aufgesetzt hatte - die Welt kriegt sich nicht ein: Sie kriegt und kriegt, sie zieht also weiter von Vernichtung zu Vernichtung. Braun beschwört altchinesische Rollbilder wie eine Erinnerung an frühe alte Weisheiten des Miteinander, aber er sieht auch das Reich der Mitte amerikanisiert: »Chimerika«. Ein Beispiel für den letzten dialektischen Frieden: »Lös sich in deinem Gegner auf.«


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* Volker Braun: Handbibliothek der Unbehausten. Neue Gedichte. Suhrkamp. 109 S., geb., 20 €.


Der Dichter träumt unvermindert bloch- und brechtweit, aber »so gern ich mich erhebe/ Zieht mich eine Last nach unten/ Eingenäht in mein Gewebe«. Das erinnert an einen früheren Satz Brauns: »Ich zeige, daß der Feind am Werk ist, der wir selber sind.« Lust am Widerspruch ist auch Leiden - daran, wie viel im Leben widerrufen werden muss. Du willst Gemeinde, bist aber »traumatisiert im All/ Deiner Einzelheit«. Der Mensch bleibt Störender bei seiner eigenen Erlösung. Das ist es, das Drama zwischen dem Nichtmehr und dem Nochnicht der Ordnungen. Ordnung? Stets das schlimmste Wort dafür, dass etwas ins Lot kommen soll.

Die Gedichte wandern durch Landschaften, gehen in Museen, sind in Todesahnung, erkalten vor der Freiheit, erwärmen sich am Enkel. Was dem Dichter weh tut: »Die Welt geht hin, die Anschauungen folgen.« Wie lange bleibt, was wir erleben, lebbar? Dichter sind nicht zuständig fürs Lebbare, sondern fürs Unmögliche, das Hirn- und Herzkammern sprengt. Volker Braun bleibt sich, in diesem Auftrag, treu. Nur tritt das Unbehauste offener denn je zutage. Das ist Wahrhaftigkeit.

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