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Eine Abrechnung

Das Gefängnistagebuch des bayrischen Revolutionärs Kurt Eisner

Der als Sohn eines jüdischen Textilfabrikanten in Berlin geborene Kurt Eisner war der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern - was die das Bundesland seit Jahrzehnten regierende Partei gern verschweigt. Der Journalist, Schriftsteller und Politiker ist ihnen zu links und war zudem ein Pazifist.


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* Kurt Eisner: Gefängnistagebuch. Hg. v.Frank Jacob, Cornelia Baddack u. a. Metropol-Verlag. 224 S., br., 19 €.


Als einer der Anführer der deutschen Novemberrevolution, die in München bereits am 7. November 1918 begann, zwei Tage vor der Reichshauptstadt Berlin, hat Eisner das Ende der Monarchie, den Sturz der Wittelsbacher verkündet und die Republik ausgerufen. Lange blieb er nicht im Amt, schon am 21. Februar 1919 wurde er auf dem Weg in den Landtag vom rechtsradikalen und antisemitischen Adligen Anton Graf von Arco auf Valley erschossen. Der Attentäter, der selbst jüdische Vorfahren hatte, hielt kurz zuvor sein Motiv schriftlich fest: »Eisner ist Bolschewist, er ist Jude, er ist kein Deutscher, er fühlt nicht deutsch, untergräbt jedes vaterländische Denken und Fühlen, ist ein Landesverräter.«

Sechs Wochen nach Eisners Ermordung wurde die Bayerische Räterepublik gegründet. Auch ihr war kein langes Leben vergönnt. Rechtsnationalistische Freikorps- und Reichswehrverbände zerschlugen sie blutig. Während Eisners Mörder von der neuen bayerischen Landesregierung zu einer »ehrenhaften Festungshaft« begnadigt wurde, weil seine Tat aus »glühender Liebe zum Vaterland« begangen worden sei, galt Eisner als Paria. Man wünschte sich, dass sein nun in einem Berliner Verlag erschienenes »Gefängnistagebuch« vor allem in Bayern Leser findet.

Eisner war als Organisator eines Munitionsarbeiterstreiks in München im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges arretiert worden. In der Haft vom 31. Januar bis 14. Oktober 1918 schrieb er Kommentare zu aktuellen Ereignissen. Er rechnete nicht nur mit den Militaristen und Militärs ab, sondern auch mit der Sozialdemokratie. Diese von ihm eigentlich nicht für die Nachwelt bestimmten Notizen sind nun, 100 Jahre danach, erstmals in einer kritisch kommentierten Edition nachzulesen.

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