Zwölf Tore für die Ewigkeit

Champions-League-Rekord: Marco Reus führt BVB zum 8:4 gegen Legia Warschau

  • Von Heinz Büse, Dortmund
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Andenken an den historischen Fußballabend trug Marco Reus unter dem Arm: »Der Ball bekommt bei mir einen Ehrenplatz. Ich werde alle unterschreiben lassen«, kommentierte Dortmunds Nationalspieler stolz das 8:4 (5:2) des BVB gegen Legia Warschau. Selbst das lange Warten auf die Dopingprobe konnte die Laune des Dauerpatienten nicht trüben. Selig lächelnd machte er sich zu mitternächtlicher Stunde auf den Heimweg: »Auf diesen Moment habe ich hingefiebert und hart dafür gearbeitet.«

Spektakulärer hätte seine Rückkehr nach halbjähriger Leidenszeit kaum sein können. 185 Tage nach seinem Auftritt im Pokalfinale gegen den FC Bayern spielte der Nationalspieler groß auf. Beim torreichsten Spiel der Champions-League-Geschichte brillierte er nicht nur als zweifacher Schütze (32. und 52. Minute), sondern war auch noch an zwei weiteren Treffern beteiligt. Ein drittes Tor in der Nachspielzeit wertete die UEFA als Eigentor von Jakub Rzezniczak: Er hatte Reus’ Schuss noch abgefälscht.

Mit seinem Auftritt verblüffte Reus alle. Schließlich hatte er wegen einer Schambeinentzündung in dieser Saison noch keine Minute bestritten. Der medienscheue Profi schien das Rampenlicht diesmal zu genießen: »So stellt man sich eine Rückkehr nach so langer Zeit vor.«

Die Genesung von Reus kommt für den BVB zur rechten Zeit. Schließlich steht bis zur Winterpause ein schweres Programm mit Spielen bei den derzeit punktgleichen Teams aus Frankfurt, Köln und Hoffenheim an. BVB-Trainer Thomas Tuchel ist guter Dinge: »Es war ein überragendes Comeback. Das unterstreicht seine Qualität, die uns seit Monaten gefehlt hat. Wir haben ihn schmerzlich vermisst.«

Weniger gut war Tuchel auf die Abwehr zu sprechen. »Er hat bestimmt ein paar graue Haare bekommen«, mutmaßte Neuzugang Sebastian Rode über den Gemütszustand von Tuchel. Noch nie hatte der BVB in seiner Europacupgeschichte daheim vier Gegentore kassiert. Hauptleidtragender der skurrilen Pannenshow seiner Vorderleute war Roman Weidenfeller. Der Ersatzmann für Stammkeeper Roman Bürki machte aus seinem Unmut keinen Hehl: »Es war heute für jeden Zuschauer toll. Aber für mich als Torhüter war der Abend bescheiden. Ich kam mir etwas fehl am Platze vor.« Dagegen sah Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke angesichts des Unterhaltungswertes der Partie über die Schwächen hinweg: »Es war ein Spiel für die Ewigkeit. Über ein 2:0 hätte später keiner mehr geredet.«

Fast wäre der Kantersieg über Legia, das schon das Hinspiel 0:6 verloren hatten, mit dem vorzeitigen Gruppensieg belohnt worden. Doch nach dem späten Treffer von Karim Benzema für Real Madrid (87.) zum 2:1 bei Sporting Lissabon kommt es im Vorrunden-Showdown des BVB am 7. Dezember zum Endspiel um die Pole-Position beim Titelverteidiger. Dort dürfte nach Einschätzung von Weidenfeller ohne Steigerung in der Abwehr nichts zu holen sein: »Gegen Legia kann man das machen, aber gegen größere Teams gibt es da ein Problem.« dpa/nd

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