Werbung

Schlaflos in New York

Magnus Carlsen gelingt nach einem Schockmoment bei der Schwach-WM in der zehnten Partie der erste Sieg gegen Sergej Karjakin

  • Von Dominik Kortus, New York
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach sechseinhalb dramatischen Stunden strahlte Magnus Carlsen zum ersten Mal in die Kameras. Der dringend benötigte erste Sieg bei der Schach-WM in New York gegen Sergei Karjakin sorgte beim favorisierten Norweger für ungewohnte Gefühle. »Ich bin sehr müde, aber auch unglaublich erleichtert und extrem glücklich. Es war schwierig, ihn zu brechen«, sagte Carlsen nach dem hart erkämpften Punkt zum 5:5-Ausgleich: »Ich hatte noch nie so viele Partien hintereinander nicht gewonnen.«

Das Duell zwischen Weltmeister Carlsen und dem russischen Herausforderer steuert nun auf ein hochspannendes Finale zu: Nur noch zwei reguläre Partien sind zu spielen, Es droht die Verlängerung. Am Mittwoch könnte es zum Tiebreak mit verkürzter Bedenkzeit kommen - an Carlsens 26. Geburtstag: »Es ist noch nichts gewonnen, aber es sieht jetzt anders aus - besser.«

Dabei schien sich Carlsen am Donnerstag wieder durch einen eigenen Fehler seiner Chancen zu berauben. Nachdem sich der Norweger eine Unachtsamkeit geleistet hatte, verpasste Karjakin mit Schwarz früh ein Remis durch Zugwiederholung. »Das war einer der schockierendsten Momente der gesamten WM«, sagte der russische Großmeister Jan Nepomnjaschtschi, der die Partie verfolgte. Der entscheidende Durchbruch gelang Carlsen am Damenflügel im 57. Zug. Er gewann in der Folge einen Bauern und ging in ein Turmendspiel über, das klar gewonnen war.

Auf der anschließenden Pressekonferenz verfolgte Karjakin ungläubig, wie ihm seine verpasste Gelegenheit vorgeführt wurde. »Ich habe einige Fehler gemacht«, sagte der Herausforderer, dem in der achten Partie der erste Sieg gelungen war. Erstmals konnte Carlsen damit seine eigentliche Stärke im Mittel- und Endspiel in einen Sieg ummünzen. In der dritten und vierten Partie hatte er ebenfalls auf Sieg gestanden - letztlich gelang ihm aber nur ein Remis.

Im Gefühl des Erfolgs gab Carlsen zumindest einen kleinen Einblick in sein Innenleben während der so enttäuschenden vergangenen Tage. Die Situation nach der Niederlage habe ihn »stark beeinflusst« und sei »alles andere als einfach gewesen«, er habe es nicht verhindern können, an einen Verlust des WM-Titels zu denken, verriet Carlsen dem norwegischen Fernsehsender NRK. »Gestern habe ich kaum schlafen können.«

Umso wichtiger sei daher der Sieg in der zehnten Partie gewesen. »Ich habe ihn noch nie so erleichtert gesehen«, sagte der norwegische Journalist Ole Kristian Ström, der den Aufstieg Carlsens seit mehreren Jahren mitverfolgt. Und dem Norweger gelang zudem ein weiterer Teilerfolg. Nach der verlorenen achten Partie hatte der enttäuschte Titelverteidiger die Pressekonferenz verlassen, ohne Fragen zu beantworten. Der Weltverband FIDE verringerte am Donnerstag Carlsens Strafe von zehn Prozent seines gewonnen Preisgelde um die Hälfte. SID/nd

Weiß: Magnus Carlsen (Norwegen) Schwarz: Sergej Karjakin (Russland) Spanische Partie

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 Lc5 5.c3 0-0 6.Lg5 h6 7.Lh4 Le7 8.0-0 d6 9.Sbd2 Sh5 10.Lxe7 Dxe7 11.Sc4 Sf4 12.Se3 Df6 13.g3 Sh3+ 14.Kh1 Se7 15.Lc4 c6 16.Lb3 Sg6 17.De2 a5 18.a4 Le6 19.Lxe6 fxe6 20.Sd2 d5 21.Dh5 Sg5 22.h4 Sf3 23.Sxf3 Dxf3+ 24.Dxf3 Txf3 25.Kg2 Tf7 26.Tfe1 h5 27.Sf1 Kf8 28.Sd2 Ke7 29.Te2 Kd6 30.Sf3 Taf8 31.Sg5 Te7 32.Tae1 Tfe8 33.Sf3 Sh8 34.d4 exd4 35.Sxd4 g6 36.Te3 Sf7 37.e5+ Kd7 38.Tf3 Sh6 39.Tf6 Tg7 40.b4 axb4 41.cxb4 Sg8 42.Tf3 Sh6 43.a5 Sf5 44.Sb3 Kc7 45.Sc5 Kb8 46.Tb1 Ka7 47.Td3 Tc7 48.Ta3 Sd4 49.Td1 Sf5 50.Kh3 Sh6 51.f3 Tf7 52.Td4 Sf5 53.Td2 Th7 54.Tb3 Tee7 55.Tdd3 Th8 56.Tb1 Thh7 57.b5 cxb5 58.Txb5 d4 59.Tb6 Tc7 60.Sxe6 Tc3 61.Sf4 Thc7 62.Sd5 Txd3 63.Sxc7 Kb8 64.Sb5 Kc8 65.Txg6 Txf3 66.Kg2 Tb3 67.Sd6+ Sxd6 68.Txd6 Te3 69.e6 Kc7 70.Txd4 Txe6 71.Td5 Th6 72.Kf3 Kb8 73.Kf4 Ka7 74.Kg5 Th8 75.Kf6 1-0 Stand: 5:5

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln