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Vom Flop zum Erfolgsmodell

Vor 50 Jahren begann in der sowjetischen Weltraumfahrt das »Sojus-Zeitalter«

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Bereits in den frühen 1960er Jahren war man in Moskau fest entschlossen, noch vor den USA einen Menschen auf dem Mond zu landen. Zu diesem Zweck entwickelten sowjetische Konstrukteure unter Leitung von Sergei Koroljow eine neue Trägerrakete, die die Bezeichnung Woschod (Sonnenaufgang) erhielt. Sie besaß im Gegensatz zu den vorher verwendeten Wostok-Raketen eine größere und stärkere Drittstufe, so dass die Nutzlastkapazität von 4730 kg auf 6300 kg erhöht werden konnte.

Am 16. November 1963 erfolgte von Baikonur aus der erste Start einer Woschod-Rakete. Diese brachte einen militärischen Aufklärungssatelliten vom Typ Zenit in eine Erdumlaufbahn. Knapp elf Monate später hoben im Rahmen der Mission »Woschod 1« erstmals in der Geschichte drei Menschen ins All ab, die Kosmonauten Wladimir Komarow, Boris Jegorow und Konstantin Feoktistow, die 16 Mal die Erde umkreisten. Bereits zwei Jahre später wurde die Woschod-Rakete modifiziert und in der neuen Version auf den Namen Sojus (Union) getauft. Deren Aufgabe bestand darin, bemannte Sojus-Raumschiffe ins All zu befördern, um in Vorbereitung einer Mondmission orbitale Andockmanöver zu erproben. Die Unterschiede zwischen beiden Raketentypen waren aber so gering, dass manche Raumfahrtexperten die Woschod heute der Sojus-Reihe zuordnen.

Vor 50 Jahren, am 28. November 1966, startete die Sojus-Mission unter dem Tarnnamen »Kosmos 133« zum unbemannten Jungfernflug. Geplant war, nach 24 Stunden eine weitere Rakete mit drei Kosmonauten an Bord hinterherzuschicken. Davon sollten zwei nach dem Ankoppeln in das erste Raumschiff überwechseln. Wäre dies gelungen, hätte die Mission im Nachhinein den Namen »Sojus 1« erhalten. Doch es kam anders. Das erste Raumschiff ließ sich in der Erdumlaufbahn nicht stabilisieren und drohte während der Rückkehr zur Erde über China niederzugehen. Deshalb wurde die Landekapsel durch einen eingebauten Mechanismus zerstört. Daraufhin beschloss die Flugleitung, auch den Start der zweiten Rakete unbemannt durchzuführen. »Dieser schlug jedoch ebenfalls fehl«, erinnert sich der ehemalige sowjetische Raumfahrtverantwortliche Juri Kazarov. Außerdem sei bei diesem Versuch die Startrampe zerstört und für Monate unbrauchbar gemacht worden.

Dennoch hielt man in Moskau daran fest, bis zum 7. November 1967, dem 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, eine bemannte Mondumrundung zu realisieren. Im Vorfeld wurde am 23. April 1967 die erste offizielle Sojus-Mission gestartet. Einziger Kosmonaut und Kommandant von »Sojus 1« war Wladimir Komarow. Zwar erreichte das Raumschiff problemlos den Orbit, doch nach einigen Pannen (unter anderem versagten die Sonnenkollektoren) musste die Mission vorzeitig abgebrochen werden. Da sich bei der Rückkehr der Fallschirm nicht öffnete, kam Komarow in seiner Kapsel ums Leben. Danach ging es stückweise aufwärts. Im Januar 1969 stiegen erstmals zwei Kosmonauten durch den Weltraum von einem Sojus-Raumschiff in ein anderes. Ein weiterer Höhepunkt war der Rekordlangzeitflug von »Sojus 9«, der knapp 18 Tage dauerte. Die Amerikaner hatten zuvor 13 Tage geschafft.

Nach dem Abbruch des Mondprogramms der UdSSR begann der eigentliche Siegeszug der Sojus-Raketen. Sie wurden unter anderem für Flüge zu den sowjetischen Saljut-Raumstationen eingesetzt. Ab Mai 1986 steuerten sie überdies die Weltraumstation Mir an, die 2001 kontrolliert zum Absturz gebracht wurde. Im selben Jahr erreichte ein Sojus-Raumschiff erstmals die Internationale Raumstation ISS, was im Anschluss daran jedes Jahr zweimal geschah. Als die USA nach dem Absturz des Space Shuttles Columbia 2003 ihre Flüge vorübergehend einstellten, übernahmen Sojus-Raketen deren Part und beförderten mehrere Besatzungen zur ISS. 2011 kam das endgültige Aus für die Space Shuttles. Seitdem verkehren zwischen Erde und ISS bemannt nur noch Sojus-Raketen.

Im Laufe der Jahre entwickelten sowjetische und russische Ingenieure davon mehrere Versionen, die sich in den Triebwerken, den Nutzlastverkleidungen sowie den Treibstoffen unterschieden. Alle verfügten über drei Stufen und dienten der Beförderung von Nutzlasten in niedrige Umlaufbahnen. Erst Ende der 1990er Jahre wurde eine vierte Stufe zum Erreichen höherer Orbits hinzugefügt.

Heute ist die Sojus-Rakete die meistgeflogene orbitale Rakete der Welt. Sie hat inzwischen mehr als 850 Flüge absolviert und gilt mit einer Zuverlässigkeitsquote von 97,5 Prozent als äußerst robust. Kommerziell vermarktet wird die Sojus¸ die als einzige aktive russische Trägerrakete für die bemannte Weltraumfahrt zugelassen ist, von der europäisch-russischen Firma Starsem, die ihren Sitz in der Nähe von Paris hat. Seit Oktober 2011 startet die Rakete auch vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana. Bemannte Flüge sind weiterhin auf den Startplatz Baikonur in Kasachstan beschränkt, da das Sojus-Raumschiff nicht für eine eventuelle Notwasserung auf dem vor Kourou gelegenen Atlantik ausgelegt ist. Der bisher letzte Flug einer Sojus-Rakete fand am 17. November 2016 statt. An Bord war eine neue Besatzung für die ISS: ein Russe, ein Franzose und eine US-Amerikanerin.

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