Von Anika Reker

Im Angesicht der Amazonen

Sachsen-Anhalts Buchläden kämpfen ums Überleben

Buchhandlungen werden seltener in Sachsen-Anhalt. Gab es 2009 landesweit noch 177 Händler für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, registrierte das Statistische Landesamt fünf Jahre später nur noch 138. Der Großteil der Schließungen betreffe den ländlichen Raum, sagt Helmut Stadeler vom Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels der dpa. Noch aber habe immerhin jede Kreisstadt einen unabhängigen Buchhändler.

»Die Buchhandlung ist ja nicht nur eine Verkaufsstelle, sondern auch ein kultureller Ort«, meint Stadeler. Das könne gerade für kleine Händler eine Strategie für das Überleben sein, denn das unterscheide sie von den Riesen des Internethandels. »Wir müssen dem Trend entgegenwirken, dass Kunden zuerst bei Amazon schauen, obwohl der Buchladen um die Ecke dieselben Konditionen bietet«, rät Stadeler. Dabei wünscht er sich auch mehr Eigeninitiative seitens der Händler, etwa mehr Engagement im Internet.

Ein gutes Beispiel ist der Magdeburger Buchhändler Wolfram Wahle. Seit drei Jahren führt er die Buchhandlung »Fritz Wahle« - in bereits vierter Generation. Für sein besonderes Engagement wurde er kürzlich mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet, als einziger Händler in Sachsen-Anhalt.

»Ich gebe mir viel Mühe, Literatur nicht nur über dem Ladentisch, sondern auch darüber hinaus zu verbreiten«, erläutert Wahle sein Geschäftskonzept. Jährlich organisiert er rund 20 Lesungen und Veranstaltungen. Außerdem sei es ihm wichtig, eine Nische »mit Liebe und Besessenheit« auszufüllen. Sein Spezialgebiet ist die regionale Literatur. Dafür arbeitet er mit kleinen Verlagen aus Sachsen-Anhalt zusammen und hat bereits selbst einige Bücher zur Stadtgeschichte Magdeburgs herausgegeben.

Zudem investiert Wahle seit drei Jahren seinerseits viel Zeit und Mühe in seinen Onlineshop. Er kenne zwar kaum noch stationäre Buchhändler, die sich komplett dem Internet verschließen, sagt er. Seiner Meinung nach reicht es aber nicht, einmalig ein Angebot ins Internet zu stellen. »Ich betrachte es eher als ein Schaufenster, das ich ständig pflege und neu bestücke«, sagte Wahle. Mittlerweile mache er mit Onlinebestellungen etwa zehn Prozent seines Umsatzes. Zum Teil würden Stammkunden den Shop als Zusatzangebot nutzen. Das Geschäft habe sich also zum größten Teil einfach verlagert.

Im etwa 100 Kilometer weiter nördlich gelegenen Salzwedel kommt Deutschlands älteste Buchhändlerin auch ohne einen Internetauftritt zurecht. Helga Weyhe hat ganz andere Sorgen. »Alle Nase lang fragen mich die Kunden, wie es mit dem Laden weiter geht«, sagte die 93-Jährige, die die von ihrem Großvater eröffnete Buchhandlung nun bereits seit 1944 führt. Jedes Exemplar, das im Laden steht, sucht sie noch selbst aus. Um Absatzzahlen macht sie sich dabei keine Gedanken. Ihr ist klar, dass es unmöglich ist, jemanden zu finden, der den Laden in diesem Stil weiterführt. Aber auch ein Nachfolger mit neuem Konzept sei bisher nicht in Sicht. Den letzten Mitarbeiter hat sie schon vor langer Zeit in Rente geschickt. dpa/nd

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