28.11.2016

Schweden setzt auf Reparaturen

Umweltschutz soll künftig finanziell gefördert werden

Fahrrad

Stockholm. Schweden will mit reduzierten Steuern auf Reparaturen umweltschonendes Handeln erleichtern und zudem den Arbeitsmarkt ankurbeln. Die Strategie des Verbraucherministeriums ist Teil des Haushalts, der im Dezember zur Verabschiedung ansteht. Stimmt das Parlament zu, tritt zum Jahreswechsel ein Maßnahmenpaket in Kraft, das das Konsumverhalten ändern soll.

Die Mehrwertsteuer auf Reparaturen von Fahrrädern, Kleidung oder Schuhen wird um die Hälfte gesenkt. Wer einen Handwerker ins Haus kommen lässt, um Waschmaschine oder Kühlschrank reparieren zu lassen, zahlt künftig weniger für die Arbeitsstunde.

»Das soll einen Anreiz geben, seine Dinge reparieren zu lassen, anstatt sie wegzuwerfen und neu zu kaufen«, sagte Verbraucherminister Per Bolund der dpa. »Viele Menschen sagen, dass sie gern nachhaltiger konsumieren möchten.« Ihnen fehle nur das Werkzeug dazu.

Allein für die Steuererleichterungen hat die Regierung 750 Millionen schwedische Kronen (76,5 Millionen Euro) eingeplant. Doch die Sache werde sich auszahlen, ist Bolund sicher: »Wir glauben, dass diese Branche mehr zu tun bekommt, also werden mehr Menschen in diesem Bereich arbeiten, und die wiederum zahlen Einkommensteuer.«

Auch den Handel mit Gebrauchtwaren will die Regierung fördern. Immer mehr Menschen wollten second-hand kaufen, so Bolund. Eine Gruppe erarbeite, ob Carsharing und Mitfahrangebote auf andere Bereiche ausgedehnt werden können. Auch das habe einen Doppeleffekt: Wer ein Auto borgen müsse, fahre seltener.

43 Millionen schwedische Kronen sollen bis 2020 in den Aufbau einer Informationsplattform investiert werden. Hier sollen gute Beispiele für umweltfreundliches Handeln vorgestellt und Forscher, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt werden. Auch in den Schulen soll das Thema Abfallvermeidung und Konsum eine stärkere Rolle spielen. Unternehmen wird Hilfestellung zu Umweltthemen, Menschenrechten und Vermeidung von Korruption angeboten.

Die Strategie der Regierung stoße auf positives Echo, so Bolund: »Wir bekommen sehr viel Unterstützung.« Er sei selbst überrascht, dass so viele Menschen dies als wichtiges Thema ansehen. »Es ist eine Gelegenheit, unser Verhalten zu ändern und gleichzeitig der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt neue Impulse zu geben.« dpa/nd

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