29.11.2016

Frage der SPD-Kanzlerkandidatur angeblich entschieden

Kraft kennt nach eigenen Worten Ergebnis - sagt es aber nicht / Nahles hält Urwahl für »Quatsch«

Die SPD-Spitze um Sigmar Gabriel...
Die SPD-Spitze um Sigmar Gabriel ist sich offenbar einig, wer bei der Bundestagswahl Spitzenkandidat werden soll.

Berlin. Die Frage, wer für die SPD im kommenden Jahr als Kanzlerkandidat antritt, ist angeblich entschieden. NRW-Ministerpräsidentin und Parteivize Hannelore Kraft beantwortete die Frage, ob sie wisse, wer Kanzlerkandidat wird, überraschend mit »Ja«. Kraft äußerte sich am Montagabend auf einer Veranstaltung der Düsseldorfer »Rheinischen Post«, wie das Blatt am Dienstag mitteilte.

Kraft wollte das Ergebnis der Kandidaten-Entscheidung jedoch nicht bekannt geben. »Ich weiß, wer es wird, aber ich sage es Ihnen nicht.« Vielmehr werde sich die SPD an den verabredeten Zeitplan halten und erst im Januar den Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) benennen. Kraft hatte sich vor zwei Wochen im »Tagesspiegel« bereits für Gabriel in der K-Frage ausgesprochen.

Das erste Zugriffsrecht wird in der SPD Parteichef Sigmar Gabriel eingeräumt. Als möglicher Kandidat gilt aber auch der bisherige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der im kommenden Jahr in die Bundespolitik wechseln will. Gabriel nannte am Wochenende zudem auf einer Veranstaltung erneut Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz als möglichen Kandidaten. Sollte es mehrere Bewerber geben, würde nach den SPD-Regeln eine Mitgliederbefragung stattfinden.

Dass eine solche kommt, ist nun immer unwahrscheinlicher. So sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles dem Berliner »Tagesspiegel« (Dienstag), eine Mitgliederbefragung stehe nicht zur Debatte: »Das ist Quatsch.« Die SPD habe einen Fahrplan und der gelte: »Ende Januar wird entschieden, wer für die SPD ins Rennen geht.«

Dagegen hatte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley am Montag erst die Möglichkeit eines Mitgliederentscheids ins Spiel gebracht. »Wenn wir mehrere Kandidierende haben, die sich zur Wahl stellen, dann werden wir eine Urwahl durchführen«, sagte sie. Auch die Jusos und die baden-württembergische SPD-Landeschefin Leni Breymaier hatten sich dafür ausgesprochen. Agenturen/nd

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