Von Manfred Maurer
29.11.2016

Hofer inszeniert den Kampf gegen das Establishment

Warum die Unterstützung vieler Prominenter dem Grünen-Politiker Alexander van der Bellen im Wahlkampf auch schaden könnte

Zumindest im Kampf um prominente...
Zumindest im Kampf um prominente Unterstützer hat der Grünen-Politiker Alexander van der Bellen (l.) die Nase gegenüber Norbert Hofer (FPÖ) vorne.

Wien. Den »Krieg der Sterne« hat Hillary Clinton klar gewonnen. Während sich für Donald Trump nur ein paar Stars aus der zweiten Reihe wie Hulk Hogan oder Kid Rock stark gemacht hatten, konnte die demokratische Präsidentschaftskandidatin fast alles, was in Hollywood Rang und Namen hat, hinter sich vereinen. Der Promi-Effekt ist freilich verpufft, war möglicherweise sogar kontraproduktiv, weil er das von Trump zum Hassobjekt stilisierte Establishment symbolisierte.

In Österreich bietet sich ein ähnliches Bild. Die Kunst- und Kulturszene steht fast geschlossen hinter dem grünen Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen. In seinem Personenkomitee scheint sogar ein echter Hollywoodstar auf: Der österreichische Oscar-Preisträger Christoph Waltz wirbt ebenso für den Grünen wie die Schauspieler Tobias Moretti und Ursula Strauss, der Kabarettist Josef Hader oder der Universalkünstler Andre Heller.

Im Rahmen der Initiative »Es bleibt dabei« werben der bekannte Karikaturist Gerhard Haderer, der frühere EU-Kommissar Franz Fischler, der frühere SPÖ-Finanzminister Hannes Androsch sowie der Schriftsteller Michael Köhlmaier für eine Wiederholung des Van der Bellen-Sieges bei der vom Verfassungsgerichtshof wegen Unregelmäßigkeiten aufgehobenen Stichwahl im Mai. Der Industrielle Hans-Peter Haselsteiner wirbt nicht nur mit seinem Namen, sondern hat auch viel Geld in eine Inseratenkampagne gesteckt, die vor einem »Öxit« warnt, wenn der Rechtspopulist Norbert Hofer am 4. Dezember zum Bundespräsidenten gewählt wird.

Der FPÖ-Kandidat hat dem Promiauftrieb seines Konkurrenten jedenfalls nichts entgegenzusetzen. Größen aus Kunst und Kultur sucht man unter seinen Förderern vergeblich. Prominente Fürsprachen würden aber auch gar nicht ins Konzept passen. Die FPÖ inszeniert sich seit der Übernahme durch Jörg Haider vor 30 Jahren als Partei des kleinen Mannes. Und das mit zunehmendem Erfolg.

Deshalb zielt Wahlkampfleiter Herbert Kickl auch auf Van der Bellen als »Aushängeschild der linken Schickeria, die keine Ahnung von den Problemen der Bevölkerung hat, weil sie den ganzen Tag mit dem Ausleben ihres Gutmenschentums beschäftigt ist«. Ein Bundespräsident habe »nicht die Außenstelle dieses Machtkartells in der Hofburg zu sein, er hat es zu kontrollieren«.

Dass sich auch noch führende Sozial- und Christdemokraten wie Bundeskanzler Christian Kern und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner offen für Van der Bellen ausgesprochen haben, ist aus Sicht der Rechtspartei FPÖ nur eine Bestätigung ihres schon lange geschürten Verdachtes einer Anti-Hofer-Verschwörung des Establishments.

Unfreiwillig befeuern könnten diesen Opfermythos auch jene Promis, die offen sagen, dass sie gar nicht so auf Van der Bellen stehen, sondern nur um jeden Preis einen Rechtspopulisten in der Hofburg verhindern wollen. So erklärt etwa Songcontest-Siegerin Conchita Wurst in einem Videopost, dass es »bei dieser Wahl nicht darum geht, ob Herr Hofer oder Herr Van der Bellen der bessere Kandidat ist«. Während Conchita-Hasser im Netz offen bekennen: »Ich scheiß drauf, was ein Promi sagt«, verbitten sich ihre Fans in freundlicherem Ton jeglichen Bevormundungsversuch im Hinblick auf die Präsidentenwahl. Und bei manchen wirkt die Van-der-Bellen-Werbung sogar kontraproduktiv: »Danke, liebe Conchita. Du hast mir geholfen, meine Entscheidung zu finden und Hofer zu wählen«, postet ein Facebook-User.

Das Beispiel illustriert die Zweischneidigkeit solchen politischen Engagements. Die »Salzburger Nachrichten« sahen in einem Leitartikel die »Meinungsführer in der Trump-Falle«: »Politisch Korrekte, die einander versichern, dass sie Van der Bellen wählen, werden einen Wahlerfolg Hofers nicht verhindern«.

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