Georg Leisten 30.11.2016 / Kultur

Goldige Lockenwesen, weichgeknetete Gemüter

»Heilige Nacht«: Bilder und Skulpturen zur Weihnachtsgeschichte im Liebieghaus in Frankfurt

Maria in der Hoffnung, Niederbayern, um 1520/25, Bayerisches Nationalmuseum München

Josef will nichts mehr hören. Weder von Engeln noch von heiligen Geistern noch von den anderen unglaublichen Dingen, die Maria ihm erzählt hat, um ihre Schwangerschaft zu erklären. Seine Hand gebietet ihr zu schweigen. Er hat den Mantel schon um die Schultern geworfen, fest entschlossen, seine Verlobte zu verlassen. Das Holzrelief aus dem 15. Jahrhundert ist nur fragmentarisch erhalten, aber es bestätigt, was heute jeder Familienpsychologe weiß: Weihnachten hat viel mit Partnerschaftskrisen zu tun.

Besinnlichkeit hin, Besinnlichkeit her, auch in der christlichen Überlieferung zum Dezemberfest nimmt der schief hängende Haussegen einen festen Platz ein. Was die Bibel nur vorsichtig andeutet, wird im apokryphen, also nichtoffiziellen Evangelium des Jakobus wesentlich spannungsgeladener erzählt: Josef vermutet einen heimlichen Liebhaber. Eine Episode, die der anonyme niederrheinische Meister mit bühnenreifem Gespür für Konfliktdramati...

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