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Kosten entscheiden über Erfolg

Piloten planen weitere Arbeitskampfmaßnahmen

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Im Konflikt zwischen der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) und der Lufthansa zeichnet sich weiter keine Annäherung ab. Das vorliegende Angebot der Lufthansa sei »nicht verhandlungsfähig« und laufe auf eine Nullrunde für sechs Jahre sowie weitere Zugeständnisse der Piloten in anderen Bereichen hinaus, so ein VC-Sprecher. Deshalb seien weitere Arbeitskampfmaßnahmen geplant. So wollen die streikenden Piloten an diesem Mittwoch vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen demonstrieren. Indes rief der Betriebsrat des Bodenpersonals zu einer Gegendemonstration an der Unternehmenszentrale auf. Er forderte von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen. Die Durchsetzung von Partikularinteressen gehe auf Kosten aller anderen Kollegen.

Am Dienstag wurden in Frankfurt 460 Flüge annulliert, überwiegend wegen des Streiks. Damit entfallen auch die Start- und Landeentgelte, die jede Airline gemäß Tabelle an den Flughafenbetreiber zu entrichten hat. So spart die Lufthansa viel Geld für Kerosin, Lohn- und Sachkosten, wenn die Flugzeuge nicht abheben.

Gleichzeitig bringt der Ausstand einen hohen Einnahmeausfall, der sich allerdings nicht exakt bemessen lässt. So machen in diesen Tagen Summen von 10 bis 20 Millionen Euro pro Tag die Runde, die allesamt jedoch nur grobe Schätzungen sind.

Auf der Kostenseite können sich etwa betroffene Kunden den Ticketpreis voll erstatten lassen. Für gestrandete Passagiere hat die Lufthansa rund um die großen Drehkreuz-Flughäfen Frankfurt und München vorsorglich 4000 Hotelzimmer gebucht. Nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga beschert der Streik Hotels in der Bankenmetropole Umsatzzuwächse. Relativ preisgünstig dürften die 400 Feldbetten sein, die im Frankfurter Terminal für Passagiere bereit stehen, die hier umsteigen und ohne deutsches Einreisevisum den Transitbereich nicht verlassen dürfen.

Zu den Gewinnern des Streiks gehört auch die Deutsche Bahn, weil gestrandete Passagiere im Inlandsverkehr in Fernzüge umsteigen können. Wie eine Bahnsprecherin auf »nd«-Anfrage bestätigte, steigt hier die Nachfrage. Lufthansa-Kunden können den bestreikten Flug gebührenfrei stornieren oder ihr Flugticket in einen DB-Fahrschein umtauschen. Nach Lufthansa-Angaben gab es allein am ersten Streiktag Mitte vergangener Woche bereits 2000 derartige Umbuchungen.

Ein spürbarer Streik bedeutet weniger Umsatz für Duty-Free-Shops, Boutiquen und Restaurants, zumal die meisten Passagiere im Streikfall erst gar nicht am Flughafen erscheinen. Die Einbußen für Fraport und andere Flughafenbetreiber dürften auch nicht durch zusätzliche Entgelte wettgemacht werden, die anfallen, wenn bestreikte Maschinen irgendwo auf Positionen abseits der Terminals, Start- und Landebahnen länger am Boden »geparkt« werden.

Für eine streikende Gewerkschaft ist der ökonomische Druck entscheidend. Ein Streik soll »weh tun«. Für die bestreikte Airline ist es eine Gratwanderung. Sie will sich nicht als allzu verwundbar darstellen, um Anteilseigner nicht zu sehr zu ängstigen. Daraus erwächst in der Regel der Versuch zu vermitteln: »Der Streik läuft ins Leere, wir haben alles im Griff.«

Der Lufthansa-Konzern ist finanziell gut aufgestellt. Er dürfte aus Milliardenüberschüssen ausreichende »Polster« angelegt haben. Dass der Streik dennoch weh tut und das Management verhindern will, dass von dem Ausstand ermunternde Signale an andere Berufsgruppen ausgehen, zeigt der Versuch des Konzernvorstands, den Ausstand zunächst durch das Frankfurter Arbeitsgericht und das Hessische Landesarbeitsgericht untersagen zu lassen. Am Montag unternahmen die Manager erneut einen Anlauf beim Arbeitsgericht München, der wieder erfolglos endete. Schließlich gaben sie sich geschlagen und verzichteten am Montagabend auf den Gang in die zweite Instanz.

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