30.11.2016

Tote Frau in der Berliner »Köpi«

Medienberichte über angebliche Behinderung der Rettungskräfte bestätigen sich nicht / Reanimationsversuche in den Räumen des bekannten Wohn- und Veranstaltungsprojekt blieben erfolglos

Die Köpi
Die Köpi

Berlin. Entgegen Medienberichten wurde die Feuerwehr bei ihrem Noteinsatz im Berliner Hausprojekt Köpi nicht behindert. »Wir können nicht sagen, dass die Einsatzkräfte angegriffen oder behindert worden«, erklärte die Sprecherin der Berliner Feuerwehr, Bianka Olm, gegenüber dem »neuen deutschland«.

Den begleitenden Polizeieinsatz begründete sie damit, dass der Hinterhof des bekannten linken Szenetreffs »natürlich kein normaler Hinterhof« sei, weshalb von einer »bedrohlichen« Situation die Rede war. Zudem habe es bei der leblosen Frau, wegen der die Rettungskräfte gerufen wurden, eine unklare Todesursache gegeben, weshalb die Polizei routinemäßig um Unterstützung gebeten wurde.

»Bei diesem Haus ist es ganz normal, dass die Polizei mit mehreren Fahrzeugen angefahren kommt«, erklärte die Feuerwehrsprecherin die Größe des Polizeieinsatzes. Die Köpi ist seit 1990 besetzt und seit 1991 legalisiert. In ihrem Räumen finden regelmäßig Konzerte, Solipartys und Veranstaltungen statt. Sie ist eine Institution im autonomen Berlin.

In dem über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Hausprojekt in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte ist in der Nacht zum Mittwoch eine tote Frau entdeckt worden. Sie ist noch nicht identifiziert worden. Auch wie sie ums Leben kam, ist nach Angaben der Polizei noch ungeklärt. Ein Fremdverschulden sei derzeit aber nicht zu erkennen. Die genaue Todesursache werde noch durch eine Obduktion geklärt. Dies kann erfahrungsgemäß einige Tage dauern.

Die kurz vor 23.00 Uhr alarmierte Feuerwehr hatte bei der Frau zwar noch Wiederbelebungsversuche unternommen. Sie blieben aber nach Angaben der Leitstelle ohne Erfolg. Ob die Frau dort wohnte oder zu Besuch war, ist noch nicht geklärt.

Begleitet wurde der Notarzt- und Feuerwehreinsatz durch ein Großaufgebot der Polizei. Sofort wurden Anschuldigungen gegenüber dem Hausprojekt laut. Die »BZ« berichtete, dass die Rettungskräfte zunächst am Noteinsatz gehindert worden seien. »Unerträglich, dass Linksautonome billigend in Kauf nehmen, dass ein Mensch stirbt, weil sie die Rettungskräfte nicht in die Köpi 137 lassen«, schimpfte der für seine Attacken gegen die linke Szene bekannte Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber via dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Grünen-Politikerin Canan Bayram konterte dem neuen Koalitionskollegen auf Twitter: »Geht's noch? Unklug wer nicht belegte Behauptung benutzt,um ihm unliebsame Menschen zu diskreditieren«.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft stimmte indes in den Tenor von Schreiber mit ein. »@Berliner_Fw bei Rettungseinsatz #Köpi massiv behindert, #Polizei musste helfen. Pfalzgraf: Da stimmt etwas nicht in unserer Gesellschaft!«, schrieb ihr Berliner Verband auf Twitter.

Dabei will man auch bei der Pressestelle der Berliner Polizei die Anschuldigungen nicht bestätigen. »Als wir eingetroffen waren, konnte nichts mehr festgestellt werden, dass den Einsatz erforderlich gemacht hätte – mit Ausnahme der regulären Todesermittlungen«, sagte ein Polizeisprecher gegenüber dem »neuen deutschland«. nd/mit Agenturen

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