Werbung

Hart im Nehmen und Austeilen

Persoanlie: Paul Nuttall versucht sein Glück als UKIP-Vorsitzender

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 2 Min.

Keine leichte Aufgabe: Nach Brexit-Triumph, Führungsrück- und -austritten sowie Schlägereien im Europaparlament will der Europa-Abgeordnete Paul Nuttall aus Liverpool Britanniens zerstrittene UKIP-Rechte wieder zusammenführen. Als langjähriger Stellvertreter von Nigel Farage ist der 39-Jährige hart im Nehmen, will aber als Nummer Eins auch austeilen. Nach innen gegen Störer des Parteifriedens.

Der hemdsärmelige Nuttall sieht sich aber vor allem als Labour-Schreck, denn in bisherigen Hochburgen der Linken gewann UKIP bei der Parlamentswahl 2015 einen achtbaren zweiten Platz. Im Brexit-Lager fanden sich nach einer von Farage mit Lügen geführten Antimigrantenkampagne auch eine Minderheit ehemaliger Labour-Wähler: genau die Gruppe, die das Nordlicht Nuttall ansprechen will. Patriotische Labour-Traditionswähler seien von der angeblichen Migrantenschwemme sowie der »Islingtoner Linksmafia« um den wiedergewählten Jeremy Corbyn abgestoßen, die »tiefhängende Frucht« der nordenglischen Arbeiterwähler sei »erntereif für UKIP«, die noch immer 13 Prozent in den Umfragen auf sich vereinige.

Labour-Rechte wie Major a.D. Dan Jarvis geben Nuttall teilweise recht, man müsse fremdenfeindlichen Wählern entgegenkommen, die Migrantenzahl reduzieren. Gegen solche Halbherzigen hätte Nuttall tatsächlich leichtes Spiel.

Andererseits: Den Bekanntheitsgrad von Farage besitzt der Nachfolger längst nicht. Trotz seines 62-Prozent-Triumphes ist der glatzköpfige Brillenträger zum strahlenden Sieger nicht geboren. Doch die ehemalige Tory-Stadträtin Suzanne Evans und John Rhys Evans, Anhänger der Todesstrafe, waren noch schwächer. Aber auch Nuttall hat unbeliebte Ansichten: Er unterstützt die Privatisierung des Nationalen Gesundheitsdienstes, tritt für Einschränkungen im Abtreibungsrecht ein sowie gegen das Diskriminierungsverbot für Schwule. Den Klimawechsel leugnet Nuttall auch. Ein britischer Trump? Nein: weniger Geld, weniger Frauen, weniger Haare.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln