Von Roland Etzel
01.12.2016

Aleppo - Zäsur im Syrien-Krieg

Roland Etzel zum bevorstehenden Fall der Stadt und den Folgen

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Die militärische Lage der syrischen Regierungsgegner in Aleppo ist aussichtslos. Geschieht nicht ein Wunder, werden sie die größte Stadt, die sie beherrschten bzw. was der Krieg von ihr übrigließ, verlieren. Es wäre daher für die westlichen Staaten - wenn sie wirklich so ernsthaft über das Schicksal der Zivilbevölkerung besorgt sind, wie sie erklären - ein Gebot der Vernunft, ihre Schützenhilfe für die Freischärler einzustellen. Diese haben im Fall des Falles ein Schlupfloch aus der Stadt, das ihnen die Regierung inoffiziell lässt, in Richtung Türkei - noch. Die Zivilisten nicht.

Die laute Klage in der UNO, Aleppo sehe »eines der schlimmsten Massaker an der Zivilbevölkerung seit dem Zweiten Weltkrieg« mag etwas übertrieben sein. Sie ist in jedem Fall berechtigt. Aber sie ist reichlich verlogen, wenn sie ausgerechnet von Frankreich, Saudi-Arabien und der Türkei erhoben wird. Mit welcher Zielsetzung auch immer waren dies genau jene Staaten, die Verhandlungen mit der syrischen Führung stets strikt abgelehnt haben - koste es, was es wolle.

Der syrische Krieg wäre mit dem Fall Aleppos nicht vorbei, die Zerrissenheit des Landes schon gar nicht. Aber er wäre eine Zäsur in diesem Krieg - und ein guter Zeitpunkt, der Regierung in Damaskus endlich ernsthafte Verhandlungen anzubieten, ob sie einem passt oder nicht.

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