Von Hans-Gerd Öfinger
01.12.2016

Druck im Cockpit

Hans-Gerd Öfinger zur Kritik an den Forderungen streikender Lufthansa-Piloten

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Nachdem sie vergeblich versucht haben, die Pilotenstreiks durch Arbeitsgerichte untersagen zu lassen, setzen die Lufthansachefs nun offenbar auf ein gezieltes »Teile und Herrsche«. Sie nehmen durchaus wohlwollend zur Kenntnis, dass sich einige Betriebsräte dazu hergeben, die angebliche »schweigende Mehrheit« der Belegschaft gegen den Arbeitskampf der Piloten aufzubringen. Dabei sollte niemand dem Trugschluss erliegen, dass es Menschen mit niedrigen und durchschnittlichen Einkommen, dass es prekär Beschäftigten und Erwerbslosen auch nur ein klein wenig besser ginge, wenn gut bis sehr gut verdienende und hochqualifizierte Angestellte wie die Lufthansa-Piloten zum Lohnverzicht gedrängt und ihre Interessenvertretungen in die Knie gezwungen würden.

Die wirklich überbezahlten Lufthanseaten sitzen nicht im Cockpit, sondern mit Grundgehältern in Millionenhöhe und üppigen Boni-Regelungen im Konzernvorstand. Bei der Lufthansa geht offenbar von Anlegern wie Blackrock oder Templeton ein massiver Renditedruck aus. Die regelmäßigen Streiks, die seit Jahren auch deutsche Flughäfen erfassen und lahmlegen, sind ein Aufbegehren gegen zunehmende Liberalisierung, Lohn- und Sozialdumping in der gesamten Branche. Das Gebot der Stunde wäre ein gemeinsamer Kampf aller Beschäftigten in der Luftfahrt - am Boden wie im Flieger.

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