01.12.2016

Homophobe Straftaten nehmen deutlich zu

Statistik der Bundesregierung belegt Anstieg um 15 Prozent / Grünen-Politiker Beck fordert mehr Anlaufstellen für Opfer

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Fordert mehr Anlaufstellen für die Opfer homophober Gewalt: Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen.

Berlin. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist die Zahl homophober Straftaten in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 stark angestiegen. So sind in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 205 Straftaten auf Bundesgebiet registriert worden, die in Verbindung mit der sexuellen Orientierung der Opfer standen. Das stellt eine Steigerung um knapp 15 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres dar.

Hohe Dunkelziffer

Auch die Zahlen der Tatverdächtigen stieg demnach von 86 auf insgesamt 99 Personen. Alle Zahlen entstammen der amtlichen Polizeistatistik. Es wird jedoch von einer sehr großen Dunkelziffer bei der Erfassung der Straftaten ausgegangen. So werden in vielen Metropolen wie Hamburg oder Köln, homo- und transphobe Straftaten nicht gesondert erfasst. Auch in der alltäglichen Polizeipraxis werden Anzeigen häufig falsch zugeordnet und viele der Straftaten kommen erst gar nicht zur Anzeige.

So registrierte das schwule Beratungsprojekt Maneo in Berlin bereits 2015 deutlich mehr Fälle als die Polizei: rund 260. Hass und Gewalt richteten sich nach Aussage des Beratungsprojektes mehrheitlich gegen Schwule und männliche Bisexuelle. Weitestgehend unsichtbar sind jedoch vor allem die Straftaten gegen besonders marginalisierte Gruppen.

Die Schwächsten bleiben unsichtbar

So ist nach Angaben des Lesben und Schwulen-Verbands Berlin-Brandenburg (LSVD), die Diskrepanz zwischen der Zahl der Vorfälle und den angezeigten Fällen, insbesondere bei jungen schwulen und transsexuellen Flüchtlingen besonders hoch. Diese Gruppen seien überproportional häufig von Gewalt betroffen, brächten dies aber so gut wie gar nicht zur Anzeige. In der LSVD-Beratungsstelle seien vom Frühjahr 2015 bis zum Frühjahr 2016 rund 130 solcher Fälle gezählt worden - angezeigt worden seien aber nur ein bis zwei, so ein Sprecher der Geschäftsführer des LSVD.

Beck will mehr Straftaten zur Anzeige bringen

Die Zahlen für 2016 aus dem Bundesinnenministerium gehen auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck zurück. Dieser kritisierte auch die hohen Dunkelziffern und forderte einen offensiven Umgang mit homophoben Straftaten. Hierfür müssten die Opfer jedoch darin bestärkt werden, die erfahrene Gewalt auch zur Anzeige zu bringen. Ein erster Schritt sei der Aufbau gesonderter Anlaufpunkte für Opfer bei den Landespolizeibehörden. Darüber hinaus forderte Beck mehr Tempo bei der Umsetzung eines Aktionsplans an. Agenturen/nd

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