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Falsche Striche auf der Straße

Posse um einen kuriosen Zebrastreifen im Münsterland

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Da hat jemand dem Amtsschimmel buchstäblich einen Strich durch die Rechnung gemacht: Wer im Auto durch Lüdinghausen im Münsterland fährt, rollt über große weiße Querbalken auf dem grauen Asphalt. Was ist das? Ein Zebrastreifen? Was da auf die Steverstraße in Lüdinghausen zwischen einer Wasserburg und einem Bankhaus aufgemalt wurde, kommt in der Straßenverkehrsordnung nämlich nicht vor. Doch offensichtlich sorgt es für mehr Sicherheit.

Aus Sicht der Fußgänger führen nicht Querstreifen - wie sonst bei Zebrastreifen üblich - sondern Längsstreifen von der einen Straßenseite zur anderen. Wer will, kann also in diesem Fall wie auf einem Schwebebalken die Straße queren. »Ein Kunstgebilde, um Aufmerksamkeit zu schaffen«, sagt Stadtsprecher Dominik Epping. Seinen Zweck würden die Streifen erfüllen. Seitdem sie da sind, habe es an der Stelle keinen einzigen Unfall gegeben, betont der Sprecher. Und das ist jetzt 15 Jahre her. Der Maler der Streifen? Unbekannt.

Ob es denn zuvor an der Stelle viele Unfälle gegeben habe? Diese Frage kann die Stadt nicht beantworten. Ebenso wenig, wer nun genau die Streifen auf die Straße gepinselt hat. »Der fließende Verkehr ist Kreis-Aufgabe«, sagt Epping und schiebt mit der Feststellung charmant den Schwarzen Peter an den Kreis Coesfeld.

Auch in der Kreisverwaltung sorgt die Angelegenheit für Erheiterung. Alois Bosman, Büroleiter von Landrat Christian Schulze Pellengahr (CDU), meint: »15 Jahre danach lässt sich das ganze einfach nicht mehr aufklären. Ich könnte jetzt aus verwaltungsrechtlichen Kniffen wahrscheinlich auch ableiten, dass die Striche wohl von der Stadt aufgetragen wurden«, sagt er. Aber was bringe das? »Auch wenn wir in Deutschland sind, manchmal muss mal auch mal unkomplizierte Lösungen anstreben«, meint er gelassen.

Ganz sicher ist die Stadt nur, dass sie einst einen Zebrastreifen haben wollte, aber nicht vom Kreis genehmigt bekam. »Vor 15 Jahren haben wir einen Zebrastreifen beim Kreis beantragt. Er sollte Fußgänger schützen, die in Vielzahl von der Burg Lüdinghausen kommend, die Straße überqueren wollten«, sagt Stadtsprecher Epping. Der Antrag sei aber abgelehnt worden. Begründung des Kreises: Zu wenige Fußgänger und zu wenige Autos an dieser Stelle. Als Ersatz folgte die kreative Ersatzlösung - von wem auch immer.

Der verkehrte Zebrastreifen solle doch einfach bleiben, meint Bosman, Die Zeit regele das Probleme dann irgendwann von ganz alleine. »Da haben wir wichtigere Dinge zu tun«, betont er. Angst vor klagewütigen Bürgern gegen die falsche Überquerungshilfe haben weder Stadt und noch Kreis. »Wer bei so etwas klagt, stellt sich damit ja selbst ins Abseits«, unterstreicht Bosman.

Auch vielen der rund 24 000 Bürgern von Lüdinghausen sind die falschen Striche auf der Straße schlichtweg egal. Einige denken beim Anblick an die Fernsehsendung »Verstehen Sie Spaß?«, die meisten nehmen es mit Humor. »Die Uhren ticken in Lüdinghausen einfach anders«, sagte ein Passant dem WDR. dpa/nd

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