Werbung

Nur zwei Stunden »Thor Steinar«-Laden in Norderstedt

Geschäft der bei Neonazis beliebten Kleidermarke kurz nach Eröffnung durch das Ordnungsamt geschlossen

Er hatte noch nicht einmal den physischen Unmut lokaler Antifaschisten auf sich gezogen, da war der »Thor Steinar«-Laden in Norderstedt auch schon wieder geschlossen. Das Ordnungsamt der Stadt im Norden von Hamburg hat ein Geschäft der in der rechtsradikalen Szene einschlägigen Marke dicht gemacht - nur knapp zwei Stunden nach der Neueröffnung am Freitagmorgen. Das berichten mehrere lokale Medien.

Laut NDR begründete ein Polizeisprecher das Vorgehen damit, dass in den Unterlagen für die Geschäftsanmeldung nutzungsrechtliche sowie gewerberechtliche Bestimmungen nicht erfüllt worden seien. Das »Hamburger Abendblatt« berichtete, dass die Verwaltung baurechtliche Gründe ins Feld führe. »Es gibt für ein Bekleidungsgeschäft andere bauliche Vorgaben als für ein Restaurant«, sagte Detlev Grube, Grünen-Fraktionsvorsitzender in der Stadtvertretung, der Zeitung.

Doch selbst wenn die Betreiber die Auflagen erfüllen sollten, ihnen wurde am Freitag deutlich gemacht, dass sie in Norderstedt nicht willkommen sind. »Die Stadt wird sicherstellen, dass das Geschäft geschlossen bleibt«, äußerte sich Rathaussprecher Bernd-Olaf Struppek gegenüber dem »Hamburger Abendblatt«. Norderstedt sei eine weltoffene Kommune, die sich »mit allen rechtsstaatlichen und juristischen Mitteln« dagegen wehren wolle, dass im Stadtgebiet ein Treffpunkt für Menschen mit rechtsradikalen Ansichten entsteht.

Nicht nur die Stadt hatte die Ladeneröffnung aufmerksam verfolgt. Vor dem Geschäft hatten am Freitagmittag laut Medienberichten etwa 25 Menschen gegen die Eröffnung protestiert.

Doch nicht überall ist es mit Läden, die insbesondere die rechte Szene bedienen wollen, so schnell wieder vorbei. Die aus dem brandenburgischen Königs Wusterhausen stammende und von der Firma der MediaTex GmbH vertriebene Marke verfügt in Deutschland über zwölf Filialen. Dabei trifft »Thor Steinar« vielerorts auf Widerstand. So hat es in Berlin über Jahre hinweg Proteste gegen und auch Attacken auf die Läden »Tönsberg« und »Tromsö« gegeben, bis ihnen gekündigt wurde.

In Glinde (Kreis Stormarn) – nicht weit von Norderstedt entfernt – gibt es ebenfalls seit Jahren Protest gegen ein Geschäft. Auch hier führte er schließlich zum Erfolg. Die Initiative »No Tonsberg« hält seit fünf Jahren Mahnwachen vor dem »Thor-Steinar«-Laden ab. Laut Facebook-Seite des Betreibers soll er zu Jahresende schließen. Inzwischen läuft der »totale Räumungsverkauf«.

Im Gegensatz zu Marken wie Lonsdale oder Fred Perry, die zeitweilig von Neonazis vereinnahmt wurden, gab es »Thor Steinar« anfangs fast ausschließlich bei einschlägigen Naziläden und Versandhändlern zu kaufen. Die Marke wurde von Axel Kopelke registriert. Seit 2003 trat für Thor Steinar die Firma Mediatex GmbH von Uwe Meusel auf und entwickelte sich zur beliebtesten Mode in der Neonazi-Szene. 2006 machte Thor Steinar laut dem Portal »Netz gegen Nazis« einen Jahresumsatz von rund zwei Millionen Euro. Trotz interner Streitigkeiten zu Markenrechten und Vertrieb sowie antifaschistischem Protest und Verboten hält sich die Marke bis heute.

Für den Verfassungsschutz Brandenburg ist »Thor Steinar« ein für Rechtsextreme »identitätsstiftendes Erkennungszeichen«. Das Runen-Logo der Marke wurde aufgrund der Ähnlichkeit mit Symbolen aus dem Nationalsozialismus zeitweise in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Tschechien verboten. Hunderte Textilien der Firma wurden beschlagnahmt. Daraufhin wurde das Motiv geändert. Derzeit ist das Tragen von Thor Steinar unter anderem im Deutschen Bundestag und in vielen Fußballstadien etwa von Werder Bremen, Hertha BSC, Dynamo Dresden und Sankt Pauli verboten.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln