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Drohnen bringen Medikamente im Schnellverfahren

Pilotprojekt in Ruanda könnte Schule machen und Leben retten

  • Von Anne Gonschorek, Kapstadt
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Es gibt eine großartige Gelegenheit, wertvolle Nutzlasten mit fliegenden Robotern zu versenden«, erklärt Jonathan Ledgard, der Direktor von Afrotech, einer Initiative der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), und Gründer von Red Line gegenüber dem Afrikanischen Internetanbieter Liquidtelecom. In Ruanda hat Ledgard geholfen, die Idee umzusetzen. Die ruandische Regierung hat sich mit dem Jungunternehmen Zipline aus Silicon Valley zusammengetan, um zunächst fünf ihrer Krankenhäuser über die Flugroboter mit Medikamenten zu versorgen.

Seit der Eröffnung des Drohnenprojekts im Oktober fliegen Ziplines unbemannte Flugmaschinen 50 bis 150 Mal am Tag mit Arzneimitteln und Bluttransfusionen umher. In den kommenden zwölf Monaten soll sich das Projekt dann bereits auf fast die Hälfte der insgesamt 45 Krankenhäuser Ruandas erstrecken; auch den ersten Drohnen-Flughafen soll es schon ab nächstem Sommer geben. »Wir haben einige der besten Leute der Welt in diesem Projekt, aber so etwas hat es noch nie zuvor gegeben«, erklärt Ledgard. »In Ruanda unterstützen sowohl der Präsident als auch das Militär und die Zivilluftfahrtbehörde unser Projekt.«

Ledgards Beziehungen waren es, die Zipline-Mitbegründer Keller Rinaudo nach Ruanda in die Richtung des kleinen ostafrikanischen Landes steuerten. »Er kannte Präsident Kagame ziemlich gut und vermittelte ihm die Vision«, erklärt Rinaudo. Tatsächlich hat Ruanda seit den 90er Jahren große Schritte nach vorn gemacht. Inzwischen ist es das auf der »Ease of Doing Business«-Rangliste der Weltbank am höchsten eingestufte Land Afrikas. Mit Platz 54 steht es auf der Liste sogar vor Ländern wie Chile, Luxemburg und Griechenland. Die Regierung unter Paul Kagame wird wegen Demokratie- und Menschenrechtsproblemen kritisiert, doch hat sie zumindest in der Technologie stark aufgeholt.

Die kleinen Fluggeräte starten bisher von einem »Nest«, werfen ihre Ladung mit einem Fallschirm über dem Ziel ab und kehren dann zur Basis zurück. Dies geschieht mit Hilfe von Ziplines digitalem Navigationssystem, das sich in das 3G-Mobiltelefonnetz Ruandas einklinkt. »Dies ist das erste Programm seiner Art«, erklärt Rinaudo. »Wir arbeiten mit einem kommerziellen Service auf nationalem Niveau.«

Bisher wurden Medikamente und Bluttransfusionen etwa zwei Mal die Woche an die Krankenhäuser geliefert. »Das erforderte, dass jemand vom Krankenhaus nach Kigali fährt, manchmal eine Nacht dort verbringt«, erklärt der Arzt Espoir Kaiyibwami gegenüber der ruandischen »New Times«. Dies habe die Kosten für die Klinik zusätzlich in die Höhe getrieben. Der für solche Lieferungen benutzte Krankenwagen aus Kigali brauchte pro Fahrt vier bis fünf Stunden. Mit einer Drohne dauert dieselbe Lieferungen nur 15 bis 30 Minuten.

Mit der Einführung dieser neuen Technologie hat Ruanda selbst Industrieländer überholt, die bisher im Umgang mit Drohnen eher vorsichtig sind. Kagame will nicht auf Dauer auf Hilfe von außen angewiesen sein: »Wir wollen noch schneller sein und es so machen, dass Ruander daran teilnehmen können, damit es auch für sie funktioniert«, erklärte der Präsident in einer Ansprache. Die Regierung werde noch mehr in das Projekt investieren.

Das Drohnenprojekt hat im Ausland Interesse geweckt: »Nach der Ankündigung haben wir von fast allen ostafrikanischen Regierungen und anderen Teilen des Kontinents gehört«, berichtet Rinaudo gegenüber der ruandischen »New Times«. Obwohl sich sein Jungunternehmen inzwischen vor Anfragen kaum retten kann, will er zunächst sicherstellen, dass das ruandische Experiment ein Erfolg ist. Danach erst will er sich neuen Projekten widmen.

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