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Sportler drohen mit Boykott

Die IOC-Exekutive debattiert Doping, Korruption und die Kostenfalle bei Olympischen Spielen

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Keine Ruhe für die großen Olympier. Vor wenigen Tagen erst kratzte die Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees das Geld für die Kaution von Patrick Hickey zusammen. Der Ire war in Rio de Janeiro von der Polizei wegen Schwarzhandels mit Olympiatickets verhaftet worden. Zu dem Zeitpunkt gehörte er noch dem Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an, des wichtigsten Gremiums des mächtigsten Sportverbandes der Welt. Seither lässt er das Amt ruhen.

Die nicht in Haft befindlichen Ex-Kollegen Hickeys werden von diesem Dienstag an in Lausanne drei Tage lang wichtige Weichen für den olympischen Sport stellen. Konsequenzen aus den Spielen von Rio sollen gezogen werden. Und da gab es neben dem illegalen Tickethandel auch die Probleme explodierender Kosten, mangelhafter Athletenunterkünfte und fehlender Aufpasser bei Dopingtests. Die drei nächsten Austragungsorte Pyeongchang, Tokio und Peking sollen aus den Fehlern lernen.

Weiteres Thema ist der Streit um die Vorherrschaft im Kampf gegen Doping mit der Welt-Antidoping-Agentur WADA. Und obwohl nicht auf der offiziellen Agenda stehend überschattet die Aufarbeitung des Dopingvertuschungssystems in Russland auch dieses IOC-Treffen. Denn einen Tag nach seinem Ende stellt in London Richard McLaren Teil zwei seines Reports über die Dopingpraktiken Russlands vor.

Als Denkanstoß für das IOC kündigten US-amerikanische Skeletonfahrer einen Boykott der WM 2017 in Sotschi an. Sie fürchten erneut Dopingvorteile ihrer Konkurrenz wie bei Olympia 2014. »Der Dopingskandal von Sotschi hatte noch keine Konsequenzen. Dennoch sollen wir da fahren. Wir haben das Gefühl, dass das Problem nicht ernstgenommen wird«, sagte Katie Uhlaender. Die britische Olympiasiegerin Lizzy Yarnold hatte schon ebenfalls eine Absage erwogen. Das deutliche Signal der Sportler an die Funktionäre lautet: Könnt ihr keine sauberen Wettbewerbe garantieren, treten wir nicht mehr an. Es wäre der Super-GAU für die Veranstalter: Erst gehen dem Verband die Bewerberstädte aus, dann ist der Publikumsbesuch nur mäßig - und jetzt wollen nicht mal mehr die Athleten kommen.

Der russischen Antidopingagentur RUSADA ist immerhin die Kontrolllizenz entzogen worden, die Labore in Moskau und Sotschi wurden dicht gemacht. Zu dreist war das von McLaren bestätigte Austauschen positiver Proben, zu auffällig die Einflussnahme des Sportministeriums.

Das aktuelle Kontrollsystem wird von der britischen Antidopingagentur UKAD organisiert und von der WADA koordiniert, doch noch immer haben Yarnold und Co. allen Grund für Zweifel. »Unsere Kontrolleure können nicht wie gewollt russische Sportler testen. Manche trainieren in ›geschlossenen Städten‹, zu denen die Kontrolleure keinen Zugang erhalten. Für andere geben die Verbände die Informationen über Trainings- und Wettkampforte zu spät oder gar nicht weiter«, berichtete WADA-Geschäftsführer Rob Koehler dem »nd«.

Andererseits wären die westlichen Kontrolleure aber überfordert, würden die russischen Partner die Informationen rechtzeitig liefern. Denn zum Einsammeln aller Proben fehlt es an Personal. »Die RUSADA darf nicht mehr arbeiten. Ausländische Kontrolleure kann man wegen des Visumproblems nur schwer einsetzen. Weil die auch noch Russisch sprechen sollten, kann man letztlich nur auf lokale Kräfte zurückgreifen«, klagte kürzlich UKAD-Chefin Nicole Sapstead. »Wir kooperieren also mit kommerziellen Anbietern. Die haben aber gar nicht die Leute, um Kontrollen in der von uns gewünschten Dimension durchzuführen.«

Zumindest die Schuld an diesem Kapazitätsengpass ist nicht den Russen anzuhängen. Doch wie beschrieben, bemühen sie sich auch nicht um größeres Vertrauen. Das Moskauer Dopinglabor ist immer noch versiegelt, so dass die WADA angeblich ausgetauschte Proben weiterhin nicht nachkontrollieren kann. Die Erwartungen an Teil zwei des McLaren-Reports sind also gering.

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