Werbung

Aleppos Fall soll Wende bringen

Russische Experten rechnen mit einer schnellen Entscheidung und Ausweitung der Koalition

  • Von Elke Windisch, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Russische Militärexperten sind sich sicher. Wird das Tempo, das syrische Regierungstruppen und deren Verbündeten bei den Kämpfen im Nordosten Aleppos vorlegen, beibehalten, sei die Befreiung der ganzen Stadt nahe. Und damit die Wende des gesamten Kriegs.

Eine tragende Rolle, so die »Nesawissimaja Gaseta« unter Berufung auf Quellen im russischen Verteidigungsministerium, sei dabei kurdischen Milizen zugedacht. Diese seien von iranischen aber auch von russischen Instrukteuren speziell für den Häuserkampf geschult und von Moskau umfangreich mit Technik beliefert worden. Derzeit, so das Blatt weiter, würde Moskau auch mit befreundeten Staaten über eine Erweiterung des russisch-iranischen Bündnisses mit Syriens Präsidenten Baschar al-Assad verhandeln. Namentlich genannt werden China, Serbien und Ägypten.

Dessen Luftwaffe habe bereits an einzelnen Angriffsoperationen teilgenommen. Russische Militärs würden in Kairo auch über den Einsatz von Luftlandetruppen verhandeln. Fast zeitgleich lief in Chinas Muslim-Provinz Xinjiang Uigur im Nordwesten eine Anti-Terror-Übung der von Moskau und Peking dominierten Schanghai-Organisation an. Das Drehbuch, so Kenner der Materie, sei auf die aktuelle Situation in Syrien zugeschnitten. Nach Liquidierung der Terrormiliz Islamischer Staats (IS) will Moskau sich aktiv in humanitäre Missionen und die Unterstützung des Friedensprozesses einbringen.

Um eine Erweiterung der Koalition und die Feinabstimmung des weiteren Vorgehens in Syrien ging es auch in einem Telefonat, das Wladimir Putin mit seinem iranischen Amtskollegen Hassan Rohani führte. Mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan telefonierte der Kremlchef vorige Woche bereits vier Mal.

Ankaras Konflikt mit Assad war nach dem Tod dreier türkischer Soldaten eskaliert. Erdoğan, der sich nach seiner Versöhnung mit Putin im Sommer kompromissbereit gab, hatte erneut erklärt, das Ziel der im August angelaufenen türkischen Militäroperation »Euphrates Shield« sei auch der Sturz Assads. Moskau dagegen hält ihn bis eine politische Lösung erzielt wird, als Stabilisierungsfaktor für unverzichtbar.

Zwar versuchte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa herunterzuspielen: Erdoğan sei wahrscheinlich falsch zitiert worden. Auch der türkische Außenminister Mevlut Çavuşoğlu ruderte bei einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow bei der Tagung der gemeinsamen strategischen Planungsgruppe in Alanya vorsichtig zurück. Meinungsverschiedenheiten zu Assad seien natürlich. Der Sieg über die Islamisten bleibe jedoch gemeinsame Aufgabe beider Länder

Putin und Assad, glaubt Alexander Schumilin vom USA-Kanada-Institut, einer der renommiertesten Denkfabriken Russlands, wollten möglichst viele Fakten schaffen, bevor der neue US-Präsident Donald Trump die Macht übernimmt, um ihre Ausgangbasis für den politischen Prozess - sprich Verhandlungen - zu verbessern. Erdoğan wolle das verhindern, verfüge aber nicht mehr über die Kräfte dazu.

Die von Ankara unterstützten Gruppierungen der syrischen Opposition seien bei den Kämpfen um Aleppo weitgehend ausgeschaltet worden. Ein neuer russisch-türkischer Konflikt wegen Syrien sei wenig wahrscheinlich. Erdoğan suche sein Heil zunehmend im Osten.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!