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Mehr als ein Wickelvolontariat

Eine Untersuchung zeigt, wie sich das Elterngeld in den vergangenen zehn Jahren etabliert hat

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Für junge Eltern stellt sich mit der Geburt des Kindes eine Doppelbelastung ein. Der Nachwuchs muss versorgt werden, am Tag wie in der Nacht. In den ersten Lebensmonaten kann das Baby kaum einen Moment aus den Augen gelassen werden. Kompatibel mit Erwerbsarbeit ist diese Aufgabe in der Regel nicht.

Auf diese missliche Situation junger Eltern hat die schwarz-rote Bundesregierung vor zehn Jahren reagiert. Die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) führte zum 1. Januar 2007 das Elterngeld ein, um jungen Familien in der ersten Zeit nach der Geburt einen finanziellen Puffer zu gewähren. In den ersten vierzehn Lebensmonaten des Babys können Eltern Elterngeld beantragen; in dieser Auszeit bekommen sie 67 Prozent ihres Lohnes. Geringverdiener und Jobber und erhalten mindestens 300 Euro, Erwerbslose müssen diesen Grundbetrag allerdings mit anderen Sozialleistungen verrechnen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat nun, zehn Jahre nach der Einführung des Elterngeldes, eine umfangreiche Bilanz gezogen, die durchweg positiv ausfällt. Das Elterngeld habe die Einkommen für die meisten Familien im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes substanziell erhöht, heißt es in der Studie. Familien hätten somit einen »finanziellen Schonraum« erhalten. »Seit der Einführung des Elterngeldes hat sich für Mütter etabliert, dass zwölf Monate die sozial erwünschte Dauer der Erwerbsunterbrechung ist«, erklärte Katharina Wrohlich, Autorin der Untersuchung. Auswirkungen habe diese Auszeit auf die Erwerbstätigkeit der Mütter, die anschließend insbesondere im unteren Einkommensbereich gestiegen sei.

Auch bei Vätern blieb das Elterngeld nicht folgenlos. Die anfängliche Skepsis, wonach das Familienministerium mit dem Elterngeld den Vätern ein »Wickelvolontariat« aufdrängen wolle, ist gewichen. Es sei inzwischen völlig normal und akzeptiert, »dass Väter Elternzeit nehmen, wenn auch die meisten diese auf zwei Monate beschränken«, sagte Katharina Spieß, eine weitere Autorin der Studie. Vor 2007 haben weniger als drei Prozent der Väter Elternzeit beantragt, mittlerweile ist der Anteil bis auf 34 Prozent angewachsen. Das sei wie ein Aufwachen aus einem »Dornröschenschlaf«, sagte von der Leyen einmal.

Die Autorinnen der DIW-Untersuchung wiesen aber darauf hin, dass sich die häuslichen Gewohnheiten bei den Paaren nur langsam änderten. So habe die Elternzeit bislang nämlich kaum Effekte auf die Verteilung von Familien- und Hausarbeit nach sich gezogen, die noch immer vor allem Mütter erledigen.

Immerhin: Viele Väter wünschen sich heute, mehr Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen. 54 Prozent der Väter gab dem Familienministerium zufolge an, diese nicht ausreichend zu haben. Die DIW-Studie scheint nun nahezulegen, dass das Elterngeld einen wertvollen Beitrag leisten könne, um diesem Wunsch zu begegnen. Ob die Familienleistung aber tatsächlich zu einer Steigerung des Wohlbefindens beiträgt, sei noch nicht hinreichend untersucht worden, erklärten die Autorinnen der Untersuchung.

Auch in einem weiteren Punkt dämpft das DIW die Erwartungen an das Elterngeld. Die Einführung der Familienleistung war zweifelsohne auch eine Antwort der Koalition auf die anhaltend geringe Geburtenrate in Deutschland. In den Jahren 2005 und 2006 lag sie gerade einmal bei 1,34 beziehungsweise 1,33 Geburten pro Frau. Mit dem Elterngeld hat das Kabinett Merkel I daher versucht, Anreize für eine Familiengründung zu setzen. Gefruchtet haben die Maßnahmen allerdings nur zum Teil, bilanzierte das DIW. Die Geburtenrate ist bislang nur minimal angestiegen. Im Jahr 2012 hat jede Frau im Durchschnitt 1,38 Kinder bekommen. Doch wenn der bereits eingesetzte Wertewandel fortschreiten und von weiteren familienpolitischen Reformen begleitet werden würde, könnte dies durchaus zu einer höheren Geburtenentwicklung führen, schlossen die Autorinnen der Studie.

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