Von Martin Zint, Weltfriedensdienst

Tradition ist kein Menschenrecht

Indigene Völker in Argentinien fürchten um ihren Lebensraum

Für den Begriff indigene Völker gibt es keine völkerrechtlich verbindliche Definition. Entsprechend schwach sind sie im Kampf um ihre Rechte. Weltweit gibt es nach Angaben von Amnesty International circa 370 Millionen Indigene, die etwa 5000 verschiedene Völker bilden. Sie leben in über 70 Staaten und machen rund vier Prozent der Weltbevölkerung aus.

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Indigene Völker leben bewusst ihre Traditionen. Sie ermöglichen ihnen, auch in unwirtlichen und lebensfeindlichen Umgebungen zu überleben. Zu dem Land, auf dem sie leben, haben sie eine ideelle und spirituelle Beziehung. Nach ihrem Verständnis kann niemand Land als individuelles Eigentum besitzen. Es steht der Gemeinschaft und ihren Bedürfnissen zur Verfügung.

Dieser Begriff von Bodenrecht wird im Rahmen der wirtschaftlichen Ausbeutung von Ressourcen permanent in Frage gestellt. Land- und Nutzungsrechte werden zum Gegenstand von Verträgen zwischen Regierung und Firmen. Mit verheerenden Folgen: Die nicht angepasste Ausbeutung der Ressourcen führt häufig zu Umweltzerstörung. Im Rahmen von Vertreibung und Umsiedlung kommt es regelmäßig zu Menschenrechtsverletzungen.

Der Verlust des Landes bedeutet für indigene Völker nicht nur die Zerstörung ihrer ökonomischen Lebensgrundlage, sondern auch ihrer traditionellen gemeinschaftlichen Lebensweise und ihrer Identität. Das Vorkommen wertvoller Rohstoffe verschärft die Situation. So in der argentinischen Region Jujuy, wo der Weltfriedensdienst den Rat der Indigenen Völker (COAJ) bei der Wahrnehmung seiner Rechte unterstützt.

Dort gibt es Lithiumvorkommen - ein unersetzlicher Bestandteil von Batterien, wie sie beispielsweise in Elektroautos eingesetzt werden. Die traditionellen Rechte der Indigenen haben dort keine Relevanz. Sie befürchten eine Störung des Ökosystems und ein Ende der nachhaltigen Salzproduktion und Landwirtschaft. Die Einbeziehung der Gemeinden und die Anfertigung wissenschaftlicher Gutachten zu ökologischen und ökonomischen Folgen sind ihre berechtigten, aber unerfüllten Forderungen. Auf dem Spiel stehen ihre Identität, die soziale Integrität der Gemeinden, kurz ihr Überleben.

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